Theatertipps: Theater Chemnitz

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GÖTTERDÄMMERUNG

26.1.2019 | In Chemnitz ist der komplette Ring des Nibelungen entstanden. Mit vier verschiedenen Teams für Regie und Ausstattung bot die Theaterleitung unterschiedliche Ansätze für die Aufführung. Guillermo Garcia Calvo sorgte mit der Robert-Schumann-Philharmonie für eine musikalische Klammer von Wagners Tetralogie mit drei Tagen und einem Vorabend.

Mit dem Aufführungs-Team der 'Götterdämmerung' hat die Chemnitzer Theaterleitung einen Coup gelandet. Elisabeth Stöppler war für die Inszenierung verantwortlich. Ihr zur Seite standen Annika Haller (Bühne) und Gesine Völlm (Kostüme). In der letzten Zeit habe ich nicht eine so interessante und optische reizvolle Aufführung erlebt.
Der Walkürenfelsen war ein Berg aus Eis; das Feuer ringsum konnte der Kälte kaum etwas entgegensetzen. Die Gibichungen wohnen in einem noblen holzgetäfelten Haus. Nur Oberfenster lassen Licht herein; ein großes Rolltor verschließt den Weg in die Außenwelt.
Erst im dritten Akt dreht sich das Haus und offenbart Details die grausamen Realität draußen. Für das Wasser des Rheins gab es nur noch schmierige Leitungen und Plastikbehälter, mit denen sich auch die Rheintöchter begnügen müssen. Walhall beherbergt die gefallenen Helden in düsteren Kammern; kein Grund für niemanden, dorthin zu gelangen.
Während die Gibichungen sich gepflegt und schick im Innern mit Eisbärenfell und gut sortierter Bar bewegen können, sind für Außen Wetterjacken und Felle angesagt. Der Gag, einmal über den Kopf des Eisbärenfells zu stolpern, konnte sich die Regisseurin nicht verkneifen.
Die Kluft der Walküren besteht aus Lederwams und -kappe.

Die Personenführung von Elisabeth Stöppler ist genau und animiert die Personen der Handlung zu spannendem Spiel. Siegfried wird süchtig nach seinem Vergessenstrank und muß ihn sich immer wieder einflössen. Das wird ihm zum Verhängnis, als Hagen ihn daran hindert, bei seiner Erinnerungserzählung davon zu nehmen. Das wird zu einer grandiosen Leistung von Daniel Kirch als Siegfried, der grundsätzlich sehr differenziert die Situationen durch sein Spiel erklärt.
Brünnhildes Wechsel von der Liebenden zur Rachegöttin wird durch das Spiel von Stéphanie Müther ebenso deutlich. Gutrune (Cornelila Ptassek) muß sich von ihr das Fehlverhalten Siegfrieds erklären lassen. Den toten Siegfried bereitet Brünnhilde auf den Weg zu den toten Helden Wallhalls mit einer Körperreinigung vor. Hierzu ist sie sich wieder zur Walküre geworden. NIcht mehr im Gewand einer Ehefrau, sondern in Lederkluft der Walküren beendet sie ihr Werk.
Es schneit pausenlos in ihrer großen Finalszene. Ausgestattet mit einem Benzinkanister resümiert sie das Geschehen. Doch verzichtet sie auf den Weltenbrand. Zusammen mit Frauen der Handlung gibt sie ein Zeichen, wer die Zukunft besser gestaltet; auch Gutrune und Brünnhildes Mutter gehören dazu.

Stéphanie Müther gestaltet auch musikalisch die Brünnhilde einfach großartig. Sie besitzt eine große Stimme, hat Glanz in der Höhe und eine satte Mittellage. Da hat man man nie Angst, das etwas fehlen könnte. Daniel Kirch ist ein jugendlicher Siegfried. Zu den strahlenden Tenorhöhen kommen auch bei ihm die baritonal gehaltenen Lagen.
Dazu kommt, das beide durch Gesang und Spiel optimal ihre Figuren gestalten. Was will man da noch mehr.

Das Publikum verabschiedete mit besonders starkem Applaus alle Mitwirkenden.


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