Theatertipps: Theater Dortmund

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LOHENGRIN

11-2019 |Die Geschichte vom Schwanenritter im Dortmunder Opernhauses wird als Elsas-Traum erzählt. Auf der grundsätzlich schwarz gehaltenen Bühne von Dirk Becker steht links ein kleines Zimmer mit schmalem Bett, Fenster mit weißer Gardine, eine Tür und wenig Utensilien; der Raum wird manchmal ganz weggeschoben oder verbleibt im Hintergrund. Nur im 2.Akt zur Hochzeit kommt ein roter und ein mit Ketten glitzernder Vorhang zum Einsatz. Die Kostüme von Jessica Rockstroh sind schwarz bis auf das weiße Hemd des Bräutigams und das weiße Hochzeitskleid der Braut.

Die Inszenierung von Ingo Kerkhof erläutert das Märchenhafte dieses Traums mit Video- und Texteinblenden. Während Elsa in ihrem Traum vom Retter erzählt, legt sie sich zu Bett, nimmt sein Schwert sich zur Seite, während das Horn an der Wand hängen bleibt. Ihre Gesprächspartner bleiben meist vor dem Raum auf leerer Bühne, denn der Chor erschallt aus dem Zuschauerraum, bis auf die Hochzeitsszene im 2.Akt und der Brautchor. Obwohl die Personenführung statisch wirkt, erzählt sie doch sehr genau die Beziehung zueinander.

Lohengrins Ankunft wird durch ein gleißendes Weiß durch das Fenster angekündigt, während der Schwanenritter ohne Schwan selbst von rechts hinten aus dem schwarzem Bühnen-Raum kommt.
Ortrud und Telramund diskutieren zu Beginn des 2.Aktes ebenfalls in dem Zimmer. Im Brautgemach setzt sich Lohengrin mit Elsa auf die Bettkante; so kann es nichts werden. Zum traurigen Ende zieht sich Lohengrin kauernd in die dunkle rechte Ecke des Zimmers zurück.

Gabriel Feltz dirigiert die Dortmunder Philharmoniker mit klaren breiten Tempi, die das Orchester nahezu fehlerfrei folgen. Nur der Klang von Bühnenmusik aus dem Hintergrund, aus dem Saal und im Spiel mit dem Orchester im Graben wirkt nicht immer ausgewogen.
Der Chor wurde von Fabio Mancini perfekt einstudiert. Sein Klangeindruck aus dem Saal wirkt überwältigend; man hört differenziert die einzelnen Stimmgruppen. Je länger aber die Aufführung dauert, umso mehr merkt man, daß nicht alle Einsätze so präsent klingen dürften. Es gibt Stellen, bei denen sich der Chorklang hinter Orchester und Solisten einfügen sollte. Aber da sind die Chor-Sänger zu direkt im Saal zu hören.

Die Solisten sind teilweise auf allerhöchstem Niveau zu sehen und vor allem auch textverständlich zu hören. Der junge Daniel Behle ist Lohengrin mit schöner klarer Stimme. Bei ihm hat man nie das Gefühl, daß die durchaus schwierige Partie ihm Probleme bereiten könnte, selten, daß er ein Tempo beeinflußt. Die meist langsamen Tempi kann er mit angenehmen Klang gestalten. Er ist ein idealer Schwanenritter.

Ihm zur Seite die Nilsson als Elsa, was will man da noch mehr. Die ebenfalls junge Christina Nilsson ist Lohengrins Idealpartnerin mit großem klangvollen Sopran. Sowohl in den dramatischen als auch in den leisen Stellen erklingt ihre Stimme wunderbar.

Stéphanie Müther ist Ortrud mit großem, dunkel gefärbten Sopran, ohne Kraftanstrengungen für diese böse Gegenspielerin. Besonders stark bewährt sich Joachim Goltz als Telramund mit hellem Bariton, bei dem man scheinbar jedes Wort versteht. Es ist ein eindrucksvolles Paar.

Shavleg Armasi ist Heinrich der Vogler mit strahlender Bass-Höhe. Im dritten Akt wirkt er leider etwas verloren auf der schwarzen Bühne. Ihm zur Seite ist Morgan Moody als Heerrufer mit klangvoller Stimme in Höhe und Tiefe. Mit großer Schmalz-Tolle wirkt er mit manierierter Geste eher als Märchenerzähler für seinen König.

Der Dortmunder Oper ist eine großartige Wagner-Interpretation gelungen.


NEVERLAND

28.11.2019 | Die Dortmunder Oper erarbeitete für das Haus der 'Jungen Oper' eine Fassung von Wagners Lohengrin für Jugendliche. In der Fassung von Francesco Damiani und Alvaro Schoeck wurde Wagners große romantische Oper mit Chor auf eine Spielzeit von 90 Minuten mit vier Solisten zusammengefaßt. Im Orchester spielen 6 Bläser und 6 Streicher unter der musikalischen Leitung von Satomi Nishi, die die Bearbeitung von Damiani nahezu sicher umsetzen; diese Bearbeitung bemüht sich, klanglich dem Original nahe zu kommen. Eine chronologische Abfolge der 3 1/2 Stunden Vorlage wurde nicht immer gewollt; es gab also für das vorbereitete musikalische Gehör zusätzliche Überraschungen. Was man mit Vergnügen hörte, war immer hoch interessant instrumentiert.

Alvaro Schoeck führte auch in seiner Fassung Regie im Bühnenraum von Emine Güner. Vor dem Orchesterpodest gab es eine tiefe Spielebene; dort sitzt Lohengrin zu Beginn im Schlafrock lesend und schlafend. Ein schmalen Grasweg führt mit einer Steinbank um diese tiefe Ebene herum. Die Kostüme von Emine Güner wirken einfach, wie aus dem Fundus gewonnen.

Für das jugendliche Zielpublikum war es aber durchaus sinnvoll, sich auf das Stück vorzubereiten. Da zumeist im Klassenverband die Aufführung besucht wurde, hatten die anwesenden Pädagogen sinnvolle Vorarbeit geleistet und die Zuschauer verfolgten ruhig das Geschehen.

Die Regie von Alvaro Schoeck wirkte nicht nur auf die Jugendlichen zu konventionell. Die Text-Fassung verstand es gut, den Inhalt zu übermitteln. Da wurde kräftig, meist textverständlich, gesungen; man spielte deutlich die jeweilige Situation, aber die Sänger stehen oder sitzen nur auf dem Podest oder auch einmal auf der Bank. Lohengrin beginnt und beendet das Stück sitzend in seinem Sessel. Da passierte zu wenig zum Sehen auf der Bühne.

Es spricht für sich, daß bei der ersten 'großen Aktion', Telramunds Angriff im Brautgemach, etwas Spannung durch Bewegung kam und dies vom Publikum sogleich bejubelt wurde; aber das war schon nahe dem Schluß. Während Lohengrins Gralserzählung spielte der Telramund Darsteller einen großen weißen Schwan und machte so die Kernszene des Stücks auch optisch zu einem Genuß. Zwei Stellen sind aber für eine 90-minütige Erzählung zu wenig.

Große Stimmen, die sogleich Ihre Bewerbung für einen Auftritt auf der großen Dortmunder Hauptbühne abgaben, sangen ihre Partien grandios. Nur wenige Stellen wurden bei drei Sängern für die gespielte Fassung verändert.

Irina Simmes ist Elsa mit jugendlichem Aussehen und leichtem lyrischen Sopran. Hyona Kim ist als Ortrud auch auf der Hauptbühne bereits besetzt und die jugendlichen Zuschauer konnte sich bereits einen Eindruck von ihrer großen, kräftigen Mezzo-Stimme machen. Friedrich Mandla ist Telramund mit einem kräftig, schön klingenden Bariton. Neben seiner Gattin konnte auch er in der gespielten Fassung viel vom Inhalt aus dem 2.Akt mit seinem Gesang verdeutlichen. Diese Szenen wirkten doch etwas lang.

Die interessanteste Leistung kam aber vom Lohengrin, den Fritz Steinbacher mit ansprechend leichten, lyrischen Tenor gestaltet. Hier hört man auch eine oft vom Original abweichende musikalische Fassung, die eine außergewöhnliche Rollengestaltung ermöglicht. Mit seiner lyrisch gesungenen Gralserzählung gestaltet er einen großen, beeindruckenden Schluß.

Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Beifall. Der Applausordnung folgend, durften die jugendlichen Besucher etwas länger jubeln, als gewollt. Aber auch das ist Theater.


TURANDOT

22.3.2019 | Vielleicht lag es nur an der Tagesform von Chor, Orchester und musikalischem Leiter, an meinem Sitzplatz oder an meiner Form, aber was anfangs da zu hören war, war laut. Beim ersten Takt gab es gleich einen Patzer.
Gabriel Feltz leitete die Dortmunder Philharmoniker. Was dabei unangenehm auffiel waren die elektronischen Wiedergaben der Bühnenmusik und einiger Chöre, die sich mit den live aufspielenden Philharmonikern schlecht mischten.
Es klang eher an eine Radiosendung aus dem fernen Osten, wo wir auch bei den Regie- und Bühnenbildeinfällen wären.

Tomo Sugao war für die Regie verantwortlich; die Sänger haben alles gemacht, was sie machen sollten. Frank Phillipp Schlößmann baute ein in rot gehaltenen Bühnenraum. Um und auf eine kleine Spielfläche herum tummelten sich Chor und Solisten. Die Seitenwände engten den Spielraum ein. Die Öffnung im Hintergrund zeigte mal eine schöne, sich verändernde Mondsichel, einen großen Drachen und sie bot auch die Möglichkeiten für Auf- und Abtritte, wenn man eine Stufe nutzte. Bereits der erste Auftritt der Turandot dort war so verschenkt.

Vielleicht lag es auch an der Bühnendecke, daß der Chor etwas zu dominant klang. Wände und Decke gerieten nach dem gewonnen Ratespiel aus den Fugen und so auch der Thron des Kaisers.

Für die Minister-Szene im 2.Akt fuhr die Unterbühne hoch; hier scheinen die roten Lampions aus der anderen chinesischen Produktion des Hauses Verwendung gefunden zu haben. Auch für das Schlußduett hob sich noch einmal das Podium.

Über szenische Zusammenhänge und logische Erklärungen brauchte man sich keine Gedanken machen. Die Personenführung war unmerklich, es wurde viel herumgehopst und die Positionsseite gewechselt. Ideen wurden nicht vorbereitet. Wie Calaf mit den Kleidungsstücken umging, bis er im Finale sich vom toten Altoum den Kaisermantel nahm und dessen Herrschaft übernahm, war schon ein Weggucker. Auch für Vater Timur, der dann lieber starb.

Für Turandot gab es im Finale (Alfano gekürzt) keinen Platz mehr im Jubelchor.

Stéphanie Müther ist eine phänomenale Turandot. Höhen und Mittellage scheinen bei ihr kein Problem zu sein. Der Chor bemühte sich allerdings, sie im 2.Akt zu übertönen; da konnte sie aber dann doch noch gegenhalten. Ihre große Stimme klingt immer strahlend schön.
Ihr zur Seite stand Andrea Shin als Calaf und er war der weitere musikalische Höhepunkt des Abends. Sein Tenor klang immer sicher und schön in jeder Lage und zeigte auch keinerlei Scheu bei den dramatischen Stellen.

Wie hochwertig auch die weiteren Rollen besetzt waren, hörte man nicht nur bei Karl-Heinz Lehner als Timur, der seinen großen runden Bass wirkungsvoll einsetzte.

Bei den drei Ministern hörte man nur Wohlklang, was auch an den schön geführten Tenorstimmen von Fritz Steinbacher (Pang) und Sunnyboy Dladla (Pong) lag; da wurde nicht lautstark forciert. Morgan Moodys kerniger Bass konnte sich neben dem Minister Ping auch als Mandarin profilieren, was einen starken Beginn in die Handlung ermöglichte.

Sae-Kyung Rim war die Liu, die mit ihrem kräftigen Sopran fast eine Bewerbung für die andere weibliche Rolle dieser Oper bot. Da hätte ich mir einen mehr lyrisch geführten Ausdruck und Zurückhaltung gewünscht.

Das Publikum zeigte sich im nahezu ausverkauften Dortmunder Haus begeistert.


DAS LAND DES LÄCHELNS

18.1.2019 | Eine der beliebtesten Operetten von Franz Lehár überhaupt birgt zugleich für Bühne und Musik Probleme, die die so schöne Partitur und eine kitschige Handlung offenbaren können.
Nicht so aber im Dortmunder Musiktheater, wo unter neuer Theater-Leitung die Neuproduktion mit beachtlichem Ergebnis aufgeführt wird. Der GMD des Hauses Gabriel Feltz stimmte die Dortmunder Philharmoniker auf einen sauberen, klaren Klang ein, der in der Dramatik und mit dem Schmelz des Werkes eine klangvolle Wiedergabe bot und die Qualität der Partitur hörbar machte.
Zur Problematik des Werkes gehört aber auch die Geschichte. Regisseur Thomas Enzinger erarbeitete geschickt eine Fassung, die die kurz gehaltenen Dialoge im Wechsel mit den musikalischen Teilen der Operette eng verband. Keine Szene wurde zu weit ausgedehnt und keine unsinnigen Regieeinfälle wurden zur Musik ersonnen; denn da gab es ja noch die Tänzer.

Für Bühne und Kostüme war Toto verantwortlich. Auf der Drehscheibe boten drei Treppen zu einer höher gelegene Spielfläche Möglichkeiten zu Hauf, die Personen der Handlung, Solisten, Tänzer, Chor und Statisten, zu bewegen und zu positionieren. Im ersten Teil kamen Prospekte mit Pferdmotiven hinzu; Lisa hatte ja als Reiterin Erfolg, den es zu feiern galt. Im zweiten, chinesischen Teil, beherrschten rote Lampions den Bühnenhimmel. Vor einem großen chinesischen Motiv wurde später ein Gefängnisgitter mit bunten Birnen gehängt. Farbenfrohe Kostüme, wieder rot für China, ergänzten die optische Opulenz und machten mehr Realismus für den Raum überflüssig.

Die Choreografin Evamaria Mayer entwickelte mit ihren fünf Tänzern bereits in der Ouvertüre erklärende Bilder zu Musik und Szene, bei denen die Ballett-Doubles von Lisa und Sou-Chong viel von dem Seelenleben beider verrieten. Nie hatte man den Eindruck, daß in den Szenen, Arien und Duetten der optische Reiz fehlte. Beschwingt durch die Musik ergänzten die Tänzer erklärend die Szene.

Die Personen- und Dialogführung der Protagonisten ist deutlich, übertreibt nicht die zum Schluß auch gefühlvollen Szenen. Martin Piskorski als Prinz Sou-Chong spielt seine Figur zurückhaltend, nahezu unbeweglich und staut seine Gefühle in sich auf. Der Zuschauer kann am Ende eine Träne nicht verdrängen.
Aus gutem Grund wird auf das vorgegebene Finale des ersten Aktes verzichtet. Die Szene zwischen Lisa und Sou-Chong erklärt alles und macht bereits klar, daß ein glückliches Ende nicht zu erwarten ist. Spannend ist festzustellen, daß der gezeigte Konflikt zwischen europäischer und chinesischer Tradition auch heute zu finden ist. Noch vor der Pause wird danach im zweiten China-Akt weiter gespielt.

Auf der Dortmunder Bühne zeigt sich ein Ensemble, das keine Wünsche offen läßt. Martin Piskorski ist ein junger Prinz Sou-Chong der mit großer schlanker Figur nicht nur die Regie dezent umsetzt; seine Tenorstimme klingt so schön, mindestens so schön, wie man sie aus Tonaufnahmen von berühmten Kollegen kennt. Er besitzt eine klangvolle sichere Tenor-Höhe mit einer baritonalen Mittellage, die alle Facetten der Partie, auch die mit dramatischen Akzenten, optimal umsetzen kann; selbst kleine 'Schluchzer' machen seine gesangliche Darstellung zu einem Ereignis. Da freut man sich schon heute, Martin Piskorski in anderen Rollen auf der Opernbühne zu erleben.

Irina Simmes ist Lisa, die ihren großen Sopran sicher, gefühlvoll und strahlend einsetzt. Sie ist mit ihrer schlanken Gestalt die ideale junge Partnerin zum chinesischen Prinzen und versteht es, nicht nur sein Herz zu rühren.
Anna Sohn als chinesische Prinzessin Mi gelingt es mit ihrer schönen, sicheren Stimme, auch in der Schlußszene mit dem Bruder, die Herzen der Zuschauer zu rühren.
Zuvor hat sie das Herz des Grafen Gustav von Pottenstein erobert. Fritz Steinbacher ist ein phänomenaler Gustl, der seinen angeborenen österreichischen Charme sympathisch im Spiel einsetzt. Seine große Tenorstimme ist immer sicher und klingt schöner als nur für eine Bufforolle. Auch bei ihm kann man sich auf andere, auch größere, Tenor-Partien freuen.

Das Publikum im voll besetzten großen Dortmunder Haus zeigte sich, auch beim Zwischenbeifall, begeistert von dem, was man sah und hörte. Neue sympathische Sänger und Sängerinnen haben sich schnell in die Herzen aller gespielt und gesungen. Die Kollegen des Hausensembles entfachten mit ihnen einen glückseligen Operettenabend.


FAUST

9.10.16 | Mit der Spielzeiteröffnung von Gounods Oper hat das Musiktheater in Dortmund eindrucksvoll seine Spitzenposition im Ruhrgebiet bewiesen. Die von mir besuchte Aufführung war gut besucht. Verkaufstechnisch verzichtete man auf den 2.Rang, der nun Platz für den Chor im Finale für das "Gerettet" bot. Dem Publikum wurde allerbeste Opernkost geboten.
Die Inszenierung von John Fulljames spielt in einem Betonkeller, der Licht von Neonröhren und einer großen Öffnung in der Decke bot (Magdalena Gut). Da war nichts von deutscher Romantik, das mußte es für diese französische Oper auch nicht. Für den kurzen Moment der Liebe zwischen Faust und Margarethe kommt durch die Deckenöffnung eine Baumkrone auf 'den Kopf' gestellt mit der Krone zuerst, die die beiden in den scheinbaren Himmel hebt. Später sieht man nur noch einige Zweige herumliegen - da ist nichts mehr zwischen den beiden.
Der alte Faust sitzt am Tropf auf einem Ledersessel. Mephisto ist am Anfang und am Schluß eine rothaarige Krankenschwester. Ein zweiter Faust (David N. Koch) ermöglicht es, dem Zuschauer die Veränderung nach dem Teufelspakt zu verdeutlichen; beide Figuren stehen sich auch gegenüber. Die ganze Geschichte ist ein Traum von Faust, der als alte Person immer auf seinem beweglichen Sessel präsent ist und das Geschehen beobachtet.
Volk, Soldaten und Kinder sind bunt gekleidet, haben Masken, die das Irreale des Traums betonen. Siebel und Wagner bleiben Teil der Masse. Marthe Schwertlein konnte sich Dank der Szene mit Mephisto noch szenisch behaupten.
Die musikalische Leitung hatte Philipp Armbruster, der einen spannenden, teils dramatischen Gounod mit den Dortmunder Philharmonikern, Chor und Solisten bot. Das ging tief 'unter die Haut'.
Eleonore Marguerre gestaltet die Margarethe mit intensivem Spiel und schönster Stimme, ein Ereignis. Aber die Besetzung im Dortmunder Haus hat noch mehr Ereignisse zu bieten.
Lucian Krasznec ist Faust. Neben seiner blendenden Erscheinung bietet er einen wunderschönen, immer sicher wirkenden Tenor, der für diese französische Oper prädestiniert ist.
Die Dortmunder Besetzungsliste bietet gleich drei Sänger für den Méphistophélès auf. Ich hatte überraschend das großartige Vergnügen, Luke Stoker zu erleben. Er ist eine tolle Erscheinung mit großer schlanke Statur, der immer die Bühne beherrscht, wenn man auch nur seine Fußspitze sieht oder seine Stimme hört. Und diese große Stimme ist so was von phänomenal schön. Er hat einen 'satten' Bass und eine angenehm klingende Höhe, alles klingt homogen. Für mich ist er das Ereignis des Abends.
Gerardo Garciacano wartet mit seinen schönen lyrischen Bariton als Valentin auf, Almerija Delic beeindruckt auch mit schöner kräftiger Stimme als Marthe Schwertlein, Ileana Mateescu behauptet sich mit ihrem schönen Mezzo als Siebel. Margarethe verschwindet zum Schluß in den Hintergrund in ein helles himmlisches Licht, während der alte Faust von Mephisto im roten Anzug aus der Versenkung abgeholt wird. Das Musiktheater in Dortmund bietet eine Aufführung, die man unbedingt sehen und hören muß.


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