Theatertipps: Theater Dortmund

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FAUST

9.10.16 | Mit der Spielzeiteröffnung von Gounods Oper hat das Musiktheater in Dortmund eindrucksvoll seine Spitzenposition im Ruhrgebiet bewiesen. Die von mir besuchte Aufführung war gut besucht. Verkaufstechnisch verzichtete man auf den 2.Rang, der nun Platz für den Chor im Finale für das "Gerettet" bot. Dem Publikum wurde allerbeste Opernkost geboten.
Die Inszenierung von John Fulljames spielt in einem Betonkeller, der Licht von Neonröhren und einer großen Öffnung in der Decke bot (Magdalena Gut). Da war nichts von deutscher Romantik, das mußte es für diese französische Oper auch nicht. Für den kurzen Moment der Liebe zwischen Faust und Margarethe kommt durch die Deckenöffnung eine Baumkrone auf 'den Kopf' gestellt mit der Krone zuerst, die die beiden in den scheinbaren Himmel hebt. Später sieht man nur noch einige Zweige herumliegen - da ist nichts mehr zwischen den beiden.
Der alte Faust sitzt am Tropf auf einem Ledersessel. Mephisto ist am Anfang und am Schluß eine rothaarige Krankenschwester. Ein zweiter Faust (David N. Koch) ermöglicht es, dem Zuschauer die Veränderung nach dem Teufelspakt zu verdeutlichen; beide Figuren stehen sich auch gegenüber. Die ganze Geschichte ist ein Traum von Faust, der als alte Person immer auf seinem beweglichen Sessel präsent ist und das Geschehen beobachtet.
Volk, Soldaten und Kinder sind bunt gekleidet, haben Masken, die das Irreale des Traums betonen. Siebel und Wagner bleiben Teil der Masse. Marthe Schwertlein konnte sich Dank der Szene mit Mephisto noch szenisch behaupten.
Die musikalische Leitung hatte Philipp Armbruster, der einen spannenden, teils dramatischen Gounod mit den Dortmunder Philharmonikern, Chor und Solisten bot. Das ging tief 'unter die Haut'.
Eleonore Marguerre gestaltet die Margarethe mit intensivem Spiel und schönster Stimme, ein Ereignis. Aber die Besetzung im Dortmunder Haus hat noch mehr Ereignisse zu bieten.
Lucian Krasznec ist Faust. Neben seiner blendenden Erscheinung bietet er einen wunderschönen, immer sicher wirkenden Tenor, der für diese französische Oper prädestiniert ist.
Die Dortmunder Besetzungsliste bietet gleich drei Sänger für den Méphistophélès auf. Ich hatte überraschend das großartige Vergnügen, Luke Stoker zu erleben. Er ist eine tolle Erscheinung mit großer schlanke Statur, der immer die Bühne beherrscht, wenn man auch nur seine Fußspitze sieht oder seine Stimme hört. Und diese große Stimme ist so was von phänomenal schön. Er hat einen 'satten' Bass und eine angenehm klingende Höhe, alles klingt homogen. Für mich ist er das Ereignis des Abends.
Gerardo Garciacano wartet mit seinen schönen lyrischen Bariton als Valentin auf, Almerija Delic beeindruckt auch mit schöner kräftiger Stimme als Marthe Schwertlein, Ileana Mateescu behauptet sich mit ihrem schönen Mezzo als Siebel. Margarethe verschwindet zum Schluß in den Hintergrund in ein helles himmlisches Licht, während der alte Faust von Mephisto im roten Anzug aus der Versenkung abgeholt wird. Das Musiktheater in Dortmund bietet eine Aufführung, die man unbedingt sehen und hören muß.


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