Künstlerporträts

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Josef Pelz von Felinau

* 24.10.1895 St.Pölten     † 15.2.1978 Berlin-West

Besuch Karfreitag am 14.7.2017 auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin. Dort liegt Josef Pelz von Felinau begraben. Zu finden ist die Grabstätte leicht: Einen Parkplatz gibt es direkt vor dem Olympia-Stadion. Mit der U-Bahnlinie U 2 kommt man zur Haltestelle Olympia-Stadion. Der Eingang zum Friedhof ist auf der Trakehnerallee direkt neben der Verwaltung. Das Grab befindet sich gleich dort unterhalb Berg runter auf der 2.Ebene des Feldes 8 B.

Bildnachweis schwarz-weiß Fotos vom 14.1.1964:
SLUB Dresden | Deutsche Fotothek | Fritz Eschen

Josef Ernst Wilhelm Pelz von Felinau entstammte einer mährischen Adelsfamilie. Sein Großvater Joseph Pelz wurde von Kaiser Franz-Josef I. 1879 in den Adelsstand erhoben und hieß dann Joseph Pelz Ritter von Felinau. Sein Enkel Josef Pelz Ritter von Felinau war verwandt mit dem Schauspieler Hans Brausewetter, über dessen Linie er ebenfalls verwandt war mit dem Meeresforscher Hans Hass. Nach der Abschaffung der Adelstitel in Österreich nannte der Enkel sich Josef Pelz-Felinau. Er besuchte in Wien die Militärakademie und nebenbei das Konservatorium. Kurze Zeit arbeitete er als Deckoffizier bei der österreichischen Handelsmarine.

Danach ging er mit selbst verfassten Gedichten auf Tournee. Bereits im Thema. schrieb er etwa 1915 ein umfangreiches Gedicht mit dem Titel "Der Untergang der Titanic". In dem Vorwort gab der damals etwa 20-jährige an, in einem Rettungsschiff dabei gewesen zu sein! So machte er sich schon damals bekannt.

Josef Pelz-Felinau übersiedelte 1922 nach Berlin und nannte sich fortan Josef Pelz von Felinau (PvF). Dort trat er bis 1926 mit eigenen Stücken und eigenem Ensemble auf und von 1926 bis 1930 als Kabarettist im Künstlerkabarett "Küka". Als Autor schrieb damals PvF auch Sensationsberichte, z.B. wieder über die Titanic und weiterer Schiffsabenteuer, auch Drehbücher für den Film.

Seine frühere Tätigkeit bei der Marine war ihm mit Details aller Art für seine phantasievollen Geschichten sehr hilfreich. Er entwickelte sich so zum Fachmann für die akustische Umwandlung des Themas Abenteuer für den Rundfunk und arbeitete mit an einer neuen Gattung für den Rundfunk, dem Hörspiel. Ab 1930 begann er, als Sprecher und Autor mit weiteren Hörspielen für das Radio zu arbeiten, z.B. Sensationen, Der tönende Stein.
Das Buch 'Titanic, die Tragödie eines Ozeanriesen' hat er 1936, 1939, 1944 und 1950 bearbeitet. In der veränderten Fassung von 1939 tritt Hitlers Leibarzt Theo Morell als Schiffsarzt auf! Die "Titanic" wurde später auch verfilmt, ohne das PvF großen Einfluß auf die Verfilmung nehmen konnte.

Josef Pelz von Felinau prägte 50 Jahre lang den Rundfunk. Seine charismatische Stimme mit sonorem Timbre wurde sein Markenzeichen. Als Sprecher seiner eigenen Arbeiten wurde er berühmt. Der von ihm gewählte Vorname als Rufname wurde oft weggelassen, was ihm wohl auch nichts ausmachte, hatte sich doch im Laufe der Zeit sein Name oft geändert. Der Nachname als Künstlername war lang genug; auf seinem Buch "Dämon Mensch" steht auf dem Buchrücken nur Felinau. Für Josef Pelz von Felinau wird das Mikrofon zu einem akustischen Mikroskop. Im Laufe der Zeit wurde er sein eigener Autor, Regisseur und Darsteller.

Auch in der schwierigen Zeit 1933-1945 fand PvF ununterbrochen Beschäftigung als Autor und Sprecher mit 31 Hörspielen und Funkessays. Er gestaltete 1940 / 1941 Hörspiele in 'Afrikaans' und trug so zur deutschen, politischen Meinungsbildung in den afrikanischen Ländern bei.

Nach 1945 befaßte PvF sich vor allem mit Musiksendungen. Nach 1949 gab es selbständig erarbeitete Produktionen für den Rundfunk; er schrieb auch Hörspiele über berühmte Wissenschaftler und russische Entdecker.

1951 heiratete er die Schauspielerin Irene Ortleb. Frau Pelz von Felinau wurde zur engsten Mitarbeiterin und ging mit ihm gemeinsam auf Reisen. In ihren Räumen mit Ton-Studio in Berlin-Schöneberg entstanden die gemeinsamen Produktionen, meist Auftragswerke von Rundfunkanstalten. Sie war nicht nur seine Tontechnikerin oder sprach und spielte in den Sendungen mit; sie gab auch Anregungen zu Themen, wie der gelegentliche Hinweis "nach einer Idee von Irene Ortleb" zeigt.

Beide stellten ~190 Hörspiele, Musiksendungen, und Essays her; dazu kamen zahlreiche Interviews. 'Das Raritätenkabinett des Herrn Pelz von Felinau' umfaßte 54 Folgen. Dazu kamen ~ 399 fünfminütige Folgen der Reihe 'Anekdoten nach Noten'

Pelz von Felinau stand eine wunderbare Schallplattensammlung zur Verfügung, die Grundlage seiner unzähligen Sendungen nach dem II. Weltkrieg für Funkportraits und Anekdoten war. Höre ich seine mir zur Verfügung stehenden biographischen Portraits und phantasievollen Geschichten, so ist seine liebe zum 'Belcanto', zur italienischen Oper unüberhörbar. Da tauchen Sänger-Namen auf, die jetzt kaum jemand kennt, da hört man wunderbare Stimmen, die man vorher nie gehört hat.
Es tauchen bei ihm neben den Belcantogrößen auch Christel Golz, Inge Borkh oder Wolfgang Windgassen auf.

Thematisch erfindet PvF mit seiner nahezu überbordenden Phantasie Geschichten, nicht nur rund um das Theater, mit kuriosen Interna hinter den Kulissen und über die Eigenheiten der Künstler. Es ist ihm nahezu jedes Thema recht, um seine Lieblings- Musik und -Sänger zu präsentieren. Er erzählt das alles so lebendig und lebhaft, als ob er selbst dabei gewesen ist, als ob er es selbst ist. Der Zuhörer hört Details aus der Historie, die einen richtig träumen lassen. Neben der Musiksammlung, konnte er auf eine großen Bibliothek zurückgreifen. Ein besonderer Leckerbissen sind daher die Biographien. Hier ist vor allem die von Joseph Schmidt zu nennen, bei der PvF kritisch hart und gefühlvoll auf die Vorgänge der Naziherrschaft blickt.

Etwas zusammengezuckt bin ich, als er von der Negersängerin Leontyne Price spricht oder von einem Neger, der Musik spielt. Aber das war so zu seiner Zeit -und auch bei mir noch als junger Mensch- üblich, das Wort Neger wertfrei zu benutzen.

Auch ausgefallene Musikrichtungen, wie die von Stephen Foster oder John Philip Sousa, fallen auf. Alles, was er zu Hause auf Platte hatte, kam mal dran. Daß er Serge Jaroff persönlich kannte, ist für die Hörer besonders wertvoll. Für Liebhaber und Kenner sind die Beiträge eine Fundgrube.

Von den zahlreichen Rundfunkbeiträgen liegen mir nicht alle Hörbeispiele vor. Es fehlen dabei so bedeutende Komponisten wie Mozart, Verdi, Offenbach, Bruckner oder Richard Strauß, die aber in Aufzeichnungen seiner Sendungen aufgelistet sind.

Und es fehlt einer meiner Lieblingskomponisten. Mit Richard Wagner hat sich Josef Pelz von Felinau intensiv beschäftigt. PvF Textmanuskripte über Richard Wagner liegen mir vor. Allein in den vier Beiträgen "Der Erlöser von Bayreuth" wird von allen großen Werken der Bogen vom Frühwerk Rienzi bis zum Parsifal geschlagen, verknüpft mit genauen Details aus dem Leben des Meisters. Leider sind diese Titel in der Aufnahmeliste nicht vertreten. Über das Liebesverbot, Tannhäuser, Parsifal, Holländer gibt es nur Anekdoten, von denen ~ 15 sich mit dem Thema Richard Wagner befassen.

In "Ein König träumt..." findet man ein fiktives Gespräch mit König Ludwig II. über Fantasie und Wirklichkeit. PvF ist Borelli, der Gesprächpartner Ludwigs; Irene Ortleb ist Borellis Nichte.

Weitere Beiträge durchziehen sich mit Details und Erzählungen aus Wagners Leben. In "Nibelungenverwandtschaft" wird von einem wehleidigen Kontakt zu Hector Berlioz berichtet und dem pointierten Bericht eines Kritikers zu den verqueren Verwandtschaftsverhältnissen der Nibelungen-Akteure. In "Wagner in London" gibt es eine lustige Anekdote von seiner Probenarbeit mit dem Orchester.

Auch das 'Privatleben' läßt PvF mit Details für Wagners 'irdische Gelüste' im Hofbräuhaus nicht aus.
"Die Stunde vor der Ewigkeit" schildert Wagners Tod in Venedig und die Beerdigung in Bayreuth.

Alle Beiträge werden von PvF genau detailliert geschildert. Grundlage dieses profunden Wissens kann nur die Recherche in umfangreichen Schriften von und um Richard Wagner sein. Daß sich alle PvF-Beiträge mit Musikbeispielen durchziehen, versteht sich von selbst.

Leider liegen mir die meisten Inhalte der Wagner-Sendungen nur schriftlich vor; sie wurden als Hörbeitrag vielleicht nie realisiert. PvF persönliches Engagement zum Thema über die Sprache fehlt so. Was das ausmacht, merkt man im 'Museum des Marchese'; dort beschreibt PvF Wagners prägnante Optik auffallend deutlich. Bei Berlioz Teil 2 kritisiert er Wagners Verhältnis zum Geld und Ludwig II. engagiert neidvoll. Seine positive Einschätzung zu Wagner-Sängern findet man nur bei Leo Sleszak.

Immer wieder hat dieser Funk-Magier mit seiner leicht knarzenden Stimme auch Ilse Gora fasziniert. Über sie habe ich mich von seiner faszinierenden Art, Geschichten zu erzählen, anstecken lassen und habe das Gora-Ton-Archiv mit großer Freude digitalisiert. Für mich ist das ein idealer Hörgenuß für einen Sonntagvormittag oder in der heißen Badewanne, um zu entspannen und vielleicht doch wieder etwas neues zu erfahren.

Leider ist diese Sammlung von PvF-Sendungen nicht vollständig, obwohl Ilse Gora viele Sendungen aufgezeichnet hat. Uns sind nur eine kleine Anzahl seiner Aufnahmen bekannt. Aber wer hat schon alle seiner unzähligen Arbeiten für den Hörfunk?

Wir würden uns sehr freuen, könnten wir die folgende Sammlung mit weiteren Sendungen des Funk-Magiers Josef Pelz von Felinau ergänzen: Die Jahresangaben sind unter Vorbehalt!

RARITÄTENKABINETT

Adieu mein kleiner Gardeoffizier - die goldenen 20er Jahre |18.3.11967
Beifall, Bestien und Banausen | 1962
Bis ans Ende der Welt - 1952
Das magische Kabinett – Ein philosophischer Jahrmarktbummel | 1953
Das Museum des alten Marchese | 1962
Der Bacchus von Santa Lucia - Enrico Caruso | 7.9.1950
Der Don Quichotte vom hohen C - Leo Sleszak |18.3.1967
Der Einsame von Torre del Lago - Giacomo Puccini | 1951-52
Der fliegende Teppich
Der Fuchs von Schottland - Enrico Caruso |1.8.1965
Der König der Märsche - John Philip Sousa | 15.4.1968
Der Mephisto von Kasan – Fedor Schaljapin | 22.7.1956
Der Tanz auf dem Vulkan | 1962

Die Entstehung der Schallplatte
Die gläserne Kugel | 1969
Die Gralsritter von Don - aus den religiösen Archiven der Don Kosaken | 1956
Die Kehrseite der Medaille | 1961
Die kleine Seejungfrau - ein mitternächtliches Erlebnis
Die Märchenkutsche
Die Nacht von Bergamo - Gaetano Donizetti
Die Nachtigall von Racanti - Benjamino Gigli | 1956
Die Stunde vor der Ewigkeit | 21.11.1965
Du bist die Welt für mich - Erinnerungen an Richard Tauber |14.5.1967

Ein Traum von Venedig - Gaetano Donizetti
Ein Liebling der Götter - Carl Maria von Weber | 1958
Ein Stern fiel - Joseph Schmitt | 1952
Ein Zaungast des Lebens - Stephen Foster | 6.6.1965

Figaro und Lukull - Dämon und Engel, Gioacchino Rossini | 1956
Gespenster im Schallarchiv | 1967
Gib Frieden den Menschen - Joseph Schmitt | 11-1957
Glück das mir verblieb - Joseph Schmitt | 1965

In vino veritas | 1954
Italienisches Karussell | 1959
Kaiser - Kimonos - Kosaken | 1959
Mario Lanza | 1965

Marionetten - Eine Rigoletto-Phantasie - 1961
Nächtlicher Spuk in der Scala | 1952
Phantastische Sinfonie - Hector Berlioz 2.Folge
Roulette | 1958

Satan auf Saiten - als Musikbotschafter durch die Welt- Siegfried Behrens
Sterbliche Unsterblichkeit
Sternstunden der Opernwelt von 1889 bis 1954
Stimmen im Sturm – Don Kosaken | 1955

Taktlosigkeiten mit und ohne Takt | 1965
Triumph der Melodie I - Ein Lebensbild von Giacomo Puccini
Triumph der Melodie II - Ein Lebensbild von Giacomo Puccini

Und Buddha lächelt
Virtuosen am Narrenseil
Vivat Bacchus – Dem Trinklied und seine Folgen | 1972

ERZÄHLUNG - GESANG
Kerzen - eine weihnachtliche Plauderei | 1959
Mein Freund der Fabulierer - 5 Erzählungen über Milo Igano | 1963
Der Dichter - Felinau singt aus Ringelspiel - Musik Edmund Nick | 7-1947

HÖRSPIEL Der Tannenbaum - nach Hans-Christian Andersen | 22.6.1967
Hypnose | 5.7.1945
Moby Dick | 1950
Titanic + Interview PvF - Hannes Borgmann 1952 | 1950

ROMAN
Dämon Mensch - der Roman eines Weltzeitalters | 1940



Ilse Gora

Dieser Beitrag auf meiner homepage ist auch ein Dankeschön an ILSE GORA.



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