Theatertipps: Theater Hagen

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PARISER LEBEN

26.4.2019 | Das reale Pariser Leben wurde 1866 von Jacques Offenbachs schmissiger Musik und ironischem Witz notiert. Es ist eine Opéra bouffe und gilt als Gegenstück zur Fledermaus.

Die Geschichte des schwedischen Baron von Gondremark und dessen Ehefrau, der das Pariser Flair mit allen seinen Facetten genießen möchte, von Offenbachs Zeit in die heutige zu übertragen, ist schon eine Aufgabe für sich, die das Theater Hagen aufs Allerbeste realisiert.

Die Dreh-Bühne von Lena Brexendorff zeigt ein Paris mit zwei Seiten, mit ärmlicher Behausung in bescheidenen Betonbauten, in denen sich die Schweden verirren. Das Anwesen von Mme Quimper-Karadec ist umso feudaler ausgestattet. Wo eine Steckdose fehlt, machte der DJ sich Strom mittels eines Fahrrad-Hometrainers.
Im Hintergrund sieht man in der Ferne Paris mit den ersehnten Zielen. Gut, daß die Ansicht von Notre-Dame nicht aktualisiert wurde.

Unter der musikalischen Leitung von Rodrigo Tomillo spielte das Philharmonische Orchester Hagen perfekt schmissig auf und ließ die feinsten Nuancen wunderschön erklingen. Ergänzt wurde Offenbachs Musik mit Rock-Einlagen, die so gar nicht fehl am Platz waren; denn die Geschichte wurde in die heutige Zeit verlegt. Cancan, Rataplans, Märsche und glückselige Walzer treiben die Musik und die Handlung in fesselnder Weise voran.

In der Inszenierung von Holger Potocki wurden die Dialoge für den heutigen Sprachgebrauch umgeschrieben und es wirkte überhaupt nichts übertrieben. Alles war logisch in einer Geschichte, wo wohlhabende Touristen von armen Einheimischen, die sich als 'Bessere' verkleiden, prächtig ausgenutzt werden; da ist ein Handy klauen nur Nebensache.

Das große Hagener Ensemble war in bester Spiellaune; es sprudelte nur von Wortspielereien. Andrea Danae Kingston sorgte mit ihrer Choreographie bei Ballett, Solisten und Chor für Schwung und Elan.

Alle Sänger zeigen sich auch in musikalischer Höchstform; Offenbach fordert den Solisten einiges ab, was von dem Hagener Ensemble sicher eingelöst wurde.
Kenneth Mattice ist ein junger Baron von Gondremark mit klangschöner Baritonstimme und strahlender Erscheinung. Ihm adäquat zur Seite als Baronin verwirrt Veronika Haller die Pariser Halbwelt mit sauber geführtem Sopran.

Richard van Gemert ist der ideale Strippenzieher und sympathische Verführer Raoul de Gardefeu, der neben seiner durchschlagenden Stimme sein enormes Spieltalent einsetzen konnte.

Die Tenorpartien sind mit Boris Leisenheimer (Brasilianer + Jean Frick) und Stephan Boving (Bobinet) ideal besetzt; sie sind mit ihren sicher geführten Stimmen Garanten in dem hochwertigen Ensemble.

Maria Klier als Pauline, Sophia Leimbach als Metella und Elisabeth Pilon als Clara boten mit ihren ansprechenden Sopranstimmen und sympathischem Spiel weitere Glanzpunkte.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Figur der so gar nicht komischen Alten Mme Quimper-Karadec, die Marilyn Bennett souverän mit großer Stimme und perfekter Figur spielt; ihr zur Seite ist Thorsten Pröhl als perfektes Schoßhündchen Gonzo mit seiner muskulösen Figur, den sich zum Schluß Metella angelt.

Ein großartig gestaltetes Finale entläßt das Publikum im vollen Theater-Saal mit dem Gefühl, etwas verpaßt zu haben, hätte man die Vorstellung im Theater Hagen nicht besucht. Mit stürmischen Beifall wurden alle Mitwirkenden belohnt. Wer noch nicht drin war, sollte auf jeden Fall diese Aufführung besuchen.


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