Theatertipps: Oper Frankfurt

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MANON LESCAUT

27.10.2016 | Mit dieser Puccini-Produktion hat die Oper Frankfurt wieder ihre Spitzenstellung in der internationalen Theaterlandschaft bewiesen. Die Geschichte um Manon Lescaut zu erzählen ist nicht unproblematisch, soll man nicht im Sessel versinken, um nur die Musik zu genießen.

Die Inszenierung von Alex Ollé ist packend brutal in der heutige Zeit stimmig angesiedelt. Zu Beginn wird ein Brief von Mutter Lescaut an ihren Sohn gezeigt. Sie bittet ihren Sohn, auf seine Schwester aufzupassen und mit ihr zurück nach Hause zu kommen. Aber Lescaut macht das Gegenteil. Manon und ihr Bruder zählen zu den Flüchtlingen auf dem Weg in eine bessere Welt und warten zur Weiterfahrt in einer Halle vor einem Hotel, wo die Halbwelt schon auf 'neues Fleisch' wartet. Lescaut sondiert bei Geronte de Ravoir die Lage, der bei dem attraktiven jungen Mann 'nichts anbrennen läßt'. Über Manons Zukunft scheint schon entschieden worden zu sein, würde sie sich nicht in den jungen Renato des Grieux verlieben.

Doch Manon will die Welt kennenlernen und landet so als Tabledancerin in einem mondänen Club und genießt den ihr zukommenden Reichtum, den sie mit ihrem schönen Körper erwirtschaftet. Ihr Bruder betätigt sich für seine besonders attraktiv wirkende Schwester als Beschützer. Renato des Grieux taucht dort auf und wieder flammt die Liebe zwischen beiden auf. De Ravoir verfolgt weiterhin seine Pläne mit Manon. Diese brüskiert den für sie unattraktiven, korpulenten Mann und verweist auf ihren jugendlichen Liebhaber. De Ravoir rächt sich böse; er hetzt die Polizei auf den Club und somit auf Manon.

Gefangen in Drahtkäfigen, wartet Manon mit anderen auf die Abschiebung nach Amerika. Da die Fluchtpläne misslingen, läßt sich des Grieux mit den anderen freiwillig nach Amerika verschiffen, nur um bei seiner Manon zu bleiben.

Im Bühnenbild von Alfons Florens dominieren immer die vier riesengroßen Buchstaben LOVE auf der schwarzen Drehbühne. Zuvor mit zusätzlichen Mitteln ergänzt, wirken nur diese Buchstaben im amerikanischen Ödland bedrohlich auf Manon und des Grieux, die sich aus ihrer Situation nicht mehr retten können. Ganz langsam dreht sich die Bühne mit LOVE, läßt so schauerliche Lichtspiele (Joachim Klein) zu, bis auch der Lebenslichtkegel bei Manon erlischt.

In den Kostümen von Lluc Castells mit Jeans und hautengen Lederpants werden die Solisten situationsgerecht ausstaffiert. Das funktioniert besonders gut, da auch die Sänger der Inszenierungsidee optisch entsprechen. Die junge Asmik Grigorian als Manon hat eine wunderbar schlanke Figur, bei der kein Kostümbildner etwas verbergen muß, wenn sie in der Bar tanzt und ihre Reize offenbaren muß. Ihr Bruder (der junge Jurii Samoilov) entspricht dem Bild eines sportlichen jungen Mannes, der in Adidas-Hosen oder in hautengen Jeans mit Lederjacke für jeden attraktiv wirkt. Ebenso wirkt der Chevalier Renato des Grieux (Joshua Guerrero); da versteht man sofort Manons Wahl.

Gesungen wird von allen phänomenal. Lorenzo Viotti dirigiert das Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit schönstem Schmelz und kräftiger Dramatik. Die frühere Puccini-Partitur erinnert oft an sein drei Jahre späteres Werk 'La Bohème'.
Die Handlung steht im Kontrast zur Musik; die Inszenierung von Alex Ollé zeigt einen anderen, aktuelleren Weg, der die Sichtweise dieses Stücks extrem spannend macht. Die Personenführung ist genau und wird von den Protagonisten präzise umgesetzt.

Das Publikum im ausverkauften Frankfurter Opernhaus geizte nicht mit Beifall und das zu Recht, konnte man doch eine Sternstunde des Musiktheaters erleben.


OTELLO

20.10.2019 |Verdi hat Shakespeares Werk als Oper 1887 vertont. Da war Gioacchino Rossini schneller. Bereits 1816 gab es in Neapel die Uraufführung. Die britische Vorlage wurde von Francesco Maria Berio nur in groben Zügen übernommen und andere Schwerpunkte gesetzt. Die Handlung spielt nur in Venedig, wo der dortige Doge seinen Sohn Rodrigo unterstützt, der Desdemona liebt. Doch diese hat eine heimliche Verbindung zu Otello. Jago spielt zuerst eine untergeordnete Rolle; die Rolle des Cassio fehlt in der Berio-Fassung.

In der klugen Inszenierung von Damiano Michieletto ist Otello ein erfolgreicher Geschäftsmann aus dem arabischen Raum, mit dem die Venezianer unter Leitung vom Dogen gern Geschäfte machen möchten. Der Doge unterstützt aus diesem Grund Otellos Wunsch und schenkt ihm das venezianische Bürgerrecht; so können Otello und Desdemona ihre Liebe allen offenbaren. Otello schenkt Desdemona einen Schal, den sie sich um die Schulter legt; doch ihr zukünftiger Mann verhüllt ihren Kopf damit. Der Konflikt zwischen Ausländern und Einheimischen ist so programmiert.

Der Doge, sehr gut gespielt und gesungen von Hans-Jürgen Lazar, zerbricht beinahe an seinem Entschluß, Otello zum venezianischen Bürger gemacht zu haben. Mit Hilfe von Desdemonas Vater Elmiro, Thomas Faulkner mit leuchtendem Bass und dominantem Spiel, soll Rodrigo Desdemona ehelichen. Jago spannt eine Intrige mittels eines Briefes -statt des Taschentuches- und Otello glaubt, es mit einem Freund zu tun zu haben. Auch in der Fassung von Berio geht die Geschichte nicht gut aus. Nach dem Tod des Liebespaares heiratet Emilia, Desdemonas Schwester, Rodrigo. Die Staatsräson ist wieder hergestellt.

Dank der damaligen Ensemblesituation in Neapel, hat Rossini seine Oper Otello mit fünf Tenören besetzt; für Otello, Rodrigo und Jago werden auch in den Höhen extreme Lagen und Kraft gefordert.
In Frankfurt sind diese Rollen mit Sängern besetzt, die diese Anforderungen bestens erfüllen und mit ihrer Stimme ein unterschiedliches Klangerlebnis bieten. Enea Scala bietet als Otello mit seinem baritonalen, durchsetzungskräftigen Tenor auch sichere Höhen. Der Rodrigo von Jack Swanson brilliert mit leichter Stimme auch in den höchsten Lagen. Theo Lebow ist ein Jago, der neben den Höhen auch spielerische Leichtigkeit mit seiner ansprechenden Tenorstimme bieten darf.
Neben dem Dogen ist der Arzt Lucio auch mit einem Tenor besetzt. Michael Petruccelli gelingt es als Mitglied des Opernstudios, seinem kurzen Auftritt Profil zu geben.

Auch Karolina Makula als Desdemona ist Mitglied des Frankfurter Opernstudios. Ihre große, jugendliche schlanke Erscheinung und ihr zurückhaltendes Spiel ist eindrucksvoll. Doch ist diese große Mezzo-Partie für sie noch zu früh. Ihre Stimme klingt hell wie ein Sopran; ihre leichten Höhen erreichen Grenzen und ihre Tiefe ist zu gering, um das Hauptrollenprofil zu erreichen.

Ihr zur Seite als Emilia ist Kelsey Lauritano, die ihren tiefen Mezzo-Sopran klangvoll einsetzen kann. Auch ihr Spiel als die im Hintergrund agierende Schwester verfehlt nicht seine positive Wirkung.

Die musikalische Leitung obliegt Sesto Quatrini, der das Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit leichter Hand durch die ansprechende Partitur führt. Besonders Desdemonas große Szene im dritten Akt wird grandios vom Orchester gestaltet.

Das Bühnenbild von Paolo Fantin ist ein mit Marmorwänden verkleideter eleganter Raum, der kleine und große, wechselnde Einblicke mit Tiefe zuläßt. Die Kostüme von Carla Teti sind aus der Jetztzeit mit ansprechenden Anzügen und Kleidern.

Diese Frankfurter Aufführung ist eine Übernahme der Produktion des Theaters an der Wien. Im ausverkauften Saal war das Publikum mehr als dankbar, diese selten gespielte Oper von Rossini sehen und hören zu können und sparte zu Recht nicht mit Beifall.


IOLANTA

18.11.2018 | Peter I. Tschaikowskis letzte Oper (1892) ist ein Ereignis. Der Bruder des Komponisten Modest gestaltete den Text nach dem märchenhaften Drama 'König Renés Tochter' von Henrik Hertz.
Diese einaktige Oper wird im Frankfurter Opernhaus in russischer Sprache gemeinsam mit Ödipus Rex aufgeführt.
Das Publikum spendet spontan Beifall, als es den Bühnenraum sieht. Regisseurin Lydia Steier läßt von ihrer Bühnenbildnerin Barbara Ehnes ein großes rosa Puppenhaus bauen. Das Mädchenzimmer ist an den hohen Wänden mit rosa Puppen voll gestellt. Alle Puppen und weibliche Personen der Handlung haben eine blonde Perücke und rosa Kleider, so wie die Tochter des Königs.

Dort lebt Iolante, Tochter des Königs René; sie ist blind. Der König schirmt seine Tochter von der Umwelt ab. Niemand soll von der Krankheit erfahren, ist sie doch dem Herzog von Burgund als Frau versprochen; selbst die Tochter darf von dem Makel nichts wissen. Sie wird in dem Glauben aufgezogen, die Blindheit sei ein Normalzustand.

Der König kontrolliert sein Haus mit harter Hand. Selbst folkloristische Darbietungen für die Tochter werden von ihn bewacht. Ist er nicht im Land, befreien sich die Frauen von den aufgezwungenen blonden Perücken.

Unter dem rosa Puppenhaus im grauen Keller sieht man die Produktionsstätte von weiteren rosa Puppen; dort und vor dem Haus spielt sich das wahre Leben der Leute ab. Die Arbeiter tragen graue Kleidung.

Der König läßt den orientalischen Arzt Ibn-Hakia kommen, der Iolanta sehend machen soll. Ibn-Hakia erkennt schnell, daß Iolanta zur Hilfe selbst den Wunsch haben muß, sehen zu wollen. Aber wenn sie den Unterschied nicht kennt!?

Das weiß Vater René aber zu verhindern!? Die Inszenierung zeigt, warum Iolanta nicht sehen kann oder will. Das Mädchen wird seit Kindesbeinen vom Vater missbraucht. Immer, wenn alle schlafen, schleicht er sich in das Zimmer von Iolanta und vergeht sich an seiner schlafenden Tochter.

Zum Glück gibt es den burgundischen Ritter Vaudémont, der sich in das Schlafzimmer verirrt. Iolanta ahnt ihre Rettung und verliebt sich in ihn; sie legt ihr rosa Kleidchen und die blonde Perücke ab.

Alle bejubeln das wieder erlangte Sehvermögen. Nur darf Iolanta nicht Vaudémont heiraten, gibt es doch das Heiratsversprechen an den Herzog von Burgund. Der stellt sich aber als Freund vom Landsmann Vaudémont heraus und es könnte zum glücklichen Ende für alle kommen, wäre da nicht Iolanta.

Sie rächt sich für ihre vom Vater angetane Scham. Während er sich dem Kreis der Jubler anschließt, verstößt sie ihn; ihre Blindheit war nur gespielt. Sie nötigt Vater König René, sich mit seinem Revolver zu erschießen.

Regisseurin Lydia Steier erzählt diese Geschichte klar und spannend. Sie hat dazu ein hochkarätiges Ensemble. Asmik Grigorian ist eine phänomenale Iolanta in Stimme und Spiel. Allein sie zu sehen und zu hören ist ein Genuß. Ihre Stimme leuchtet und wird sicher gestaltet.
Robert Pomakov ist König René mit heldischem Bass-Bariton, der an Stimm- und Rollengestaltung keine Wünsche offen läßt.

AJ Glueckert als Vaudémont gelingt es, die Tenorpartie mit seinem leichten Tenor sicher zu gestalten; seine Darstellung ist alles andere als ein jugendlicher Held.
Aus dem Ensemble ist besonders Andreas Bauer als Ibn-Hakia zu loben, der mit großer sicherer Stimme in Höhe und Tiefe die Rolle des Arztes mit seinem Bass gestalten konnte.

Nikolai Petersen am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters läßt die Partitur von Tschaikowsky aufleuchten. Er erzielt mit den Sängern einen musikalischen Gesamteindruck, der schöner nicht sein kann.
Da stelle ich meine deutsche CD-Aufnahme ganz hinten in den Schrank. Die 'russische Seele' von Musik und Gesang wurde in Frankfurt bestens realisiert. Das Publikum geizte nicht mit kräftigem Beifall für die viel zu selten gespielte Tschaikowski-Oper. Diese Aufführung darf man nicht versäumen.


OEDIPUS REX

18.11.2018 | Igor Strawinsky hat seine Ödipus-Bearbeitung als Opernoratorium komponiert. Jean Cocteau hat den lateinischen Text dazu geschaffen.
Unter der musikalischen Leitung von Nikolai Petersen konnte sich das Werk im Frankfurter Opernhaus sehen und hören lassen.

Lydia Steuer inszenierte die Tragödie effektvoll im Bühnenbild von Barbara Ehnes. Die Handlung spielt in einem Plenarsaal Anfang der 30 Jahre d.v.J.. Dort besprechen die Politiker die drohende Gefahr einer Pest, die nur die Götter noch beeinflussen können.

Ödipus stellt sich dieser Aufgabe; zu spät merkt er, daß er der Grund dieser Bedrohung ist. Peter Marsh gelingt es, mit seinem hohen Tenor, sicher in Stimme und Spiel diese Rolle im Gespräch mit dem Parlament zu gestalten.
Lydia Steuer läßt die Anwesenden immer in Aktion agieren, gestaltet Charaktere der Personen und es gelingt ihr so, mit Spannung die Szene zu erklären. Die Anwesenden sind alle schwarz gekleidet (Alfred Mayerhofer) und nehmen so das tragische Ende voraus.

Tanja Ariane Baumgartner ist Jokaste; sie beherrscht mit schöner, großer Stimme die Situation. Hochschwanger, mit einem Baby auf dem Arm und einer größeren Tochter im Schlepptau erscheint sie im knallroten Kleid; auch das Töchterchen hat ein rotes Kleid. Die Mutter ist eine 'Geburtsmaschine'!

Zum bitteren Ende dreht sich der Plenarsaal und man sieht Jokaste aufgehängt am Galgen. Das Publikum ist beeindruckt und spart nicht mit Beifall.
Nach der Pause geht es auf der Bühne mit einem anderen Opernwerk weiter.


LOHENGRIN

6.11.16 | Da hat im Frankfurter Opernhaus Jens-Daniel Herzog eine Inszenierung hinterlassen, die sich weniger an der Interpretation als mehr an der szenischen Realisierung seiner Ideen messen kann. Hans Walter Richter richtete für die Wiederaufnahme Herzogs Ideenreichtum präzise und spannend für die Bühne ein. Stefan Blunier sorgte mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester für eine eigene Interpretation mit langsamen aber auch oft schnell anziehenden Tempi, die einen neuen Hörgenuß der Wagnerschen Partitur bescherten. Selten schön und sicher habe ich einen so großen Chor gehört, dem auch alle offenen Stellen nichts ausmachten. Da hat sich zu recht Tilman Michael beim Schlußapplaus mit dem Chor gezeigt.

Die Geschichte bei Herzog spielt in einem Kinosaal; optische Ähnlichkeiten mit dem Zuschauerraum sind wahrscheinlich beabsichtigt. Eine Kinoleinwand trennt zuerst die Bühne von den Zuschauern. Erst langsam werden im Vorspiel die darstellenden Kinozuschauer sichtbar, die der sphärisch-gleißenden Musik der Gralswelt lauschen. Elsa sitzt mit Brüderchen Gottfried in der ersten Reihe. Der Staatsgast König Heinrich verfolgt den Film vom Rang. Der Heerrufer ist im grauen Arbeitsmantel als Hausmeister des Kinos leicht gehbehindert aktiv. Ortrud ist Eisverkäuferin und lockt klein Gottfried aus den Saal, während Schwester Elsa unaufmerksam sich dem besonderen Gast zuwendet. Da ist die Welt noch in Ordnung.
Auf einmal wird die Kinogeschichte für alle im Saal real; die Grenze vom Sehen und Dabeisein verwischt. Telramund ist einer von den Besuchern, ein ganz normaler Bürger, dem andere beistehen. Ortrud ohne weiße Verkaufsschürze hat sich unter die Kino-Besucher gemischt. Keiner von ihnen steht der angeklagten Elsa bei. Lohengrin ist ein Außenseiter der Anwesenden. In langen speckigen Lederhosen entledigt er sich seines Hemdes und stellt barfuß mit nackter Brust seine verhängnisvollen Bedingungen. Der Gotteskampf ist schon genial gelöst. Russisches Roulette ist angesagt und Telramund freut sich schon tierisch, als er sieht, daß Lohengrin als erster die Pistole nutzen muß. Der Gralsritter geht das cool an, während sein Gegner Nerzen zeigt. Ihm obliegt der sechste Schuß, den Telramund aber verweigert. So hat Lohengrin gewonnen - Sieg-Sieg-Sieg. Die Massen huldigen den neuen Helden, verwehren sogar Elsa, sich ihrem Mann zu nähern. Sie ist unwichtig.
Der zweite und dritte Akt beginnt so mit der Personenkonstellation, wie die Akte zuvor endeten; als ob man für den Betrachter nur den Film angehalten hat.
Da man in Frankfurt ja einen so prächtigen Chor hat, wird die Szene mit Heerrufer komplett gespielt und gesungen; das hat den Vorteil, daß die Helfer des Hausmeisters die Kinostühle für die geplante Hochzeit neu einrichten können.
Als Albtraum erscheinen Elsa beim Kirchgang viele kleine Gottfrieds. Die Herren der Gesellschaft schaffen mit ihren Sakkos eine weiche Grundlage für die Hochzeitsnacht. Doch findet dort später der tote Telramund Platz. Feige und unfähig versuchte er, Lohengrin zu erschießen. Der nimmt ihm einfach die Pistole ab und erschlägt seinen Gegenspieler.
Die Gralserzählung wurde einfach genial gelöst und realisiert. Lohengrin kniet vor Elsa und mit direkten Blickkontakt erzählt er nur ihr eindringlich, was ihr entgeht und was sie angerichtet hat. Das ist der stärkste szenische Eindruck einer an Ideen reichen Interpretation dieser Aufführung vom Schwanenritter. Die Geschichte im Kinosaal endet, wie sie begann - man guckt Kino. Gottfried wird vom Hausmeister zurückgebracht. Lohengrins Schwert und Horn sind für Elsas kleinen Bruder Kinder-Spielzeug. Ortrud und Lohengrin sind einige von vielen im Kinosaal.
Diese Geschichte wird von den Sängern musikalisch und darstellerisch aller bestens umgesetzt. Da hat die Frankfurter Oper auch Sänger der ersten Güteklasse aufzubieten. Annette Dasch ist Elsa; mit dieser Partie Bayreuth erfahren wird sie jetzt von anderen Bühnen groß angekündigt. Hier nimmt sie die Rolleninterpretation des Regisseurs für diese Wiederaufnahmen-Serie eindrucksvoll an.
Vincent Wolfsteiner ist ein heldischer Lohengrin. Scheinbar ohne Probleme gestaltet er musikalisch diese Rolle; die strichlose Fassung nach der Gralserzählung ist für ihn kein Problem. Daß er ein exzellenter Sänger-Schauspieler ist, hat man bei ihm ja schon in Nürnberg als Siegfried erleben können. Mit vollem Einsatz wirft er sich in seine Rolleninterpretation. Das allein ist ein Reise nach Frankfurt wert.
Andreas Bauer ist Heinrich der Vogler mit schönem großen Bass, der auch die kräftigen Passagen klangvoll meistert. James Rutherford ist der hinkende Heerrufer. Sein Bariton hat tiefe Grundlagen. Wie bei ihm der Wotan kommt, erweckt bei mir Zwiespalt. Ihm gelingt es aber, vor allem szenisch dieser Figur Profil zu geben.
Besonders beeindruckend gestaltet Robert Hayward den Telramund. Er besitzt eine große helle Bariton-Stimme mit Durchsetzungskraft. Sein Spiel als unsicherer Ankläger dominiert ebenso mit diesem Rollenprofil die Szene.
Ihm zu Seite ist Sabine Hogrefe, die ich vorher als Isolde und Walküre kennenlernen durfte. Es tut gut, eine Ortrud zu erleben, die nicht nur mit musikalischer Kraft diese Rolle gestalten kann. Ihr heller Sopran verfügt über eine gesunde Mittellage; sie kann so eindrucksvoll und kantabel Elsas Gegenspielerin gestalten.
Alles in allem - eine Reise nach Frankfurt in die Oper lohnt sich auf jeden Fall, vor allem, wenn man eine so grandiose Lohengrin-Aufführung erleben kann. Da verzichte ich gerne auf den Vergleich mit ähnlichem am Rhein.


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