Theatertipps: Gerhart Hauptmann Theater Görlitz

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DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

09.03.2024 |Das wunderschöne Theater in Görlitz wurde 1851 gebaut, 2001 renoviert und ist als Dreispartentheater kultureller Mittelpunkt der Region. Viele Zuschauer aus dem Nachbarland nutzen dieses Kulturangebot; Übertitel auch in polnischer Sprache helfen beim Kulturgenuß.
Wagners romantische Oper in der durchkomponierten Fassung wurde in einer grandiosen Aufführung dem Publikum geboten. Viele Familien mit Kindern und Jugendlichen ließen sich die Premiere im voll besetzten Görlitzer Haus nicht entgehen.

GMD Ewa Strusinska leitete die 'Neue Lausitzer Philharmonie' im kleinen Orchestergraben sicher, akzentuiert und lies auch einige kompositorische Feinheiten spannend erklingen. Das Orchester folgte dem Dirigat klangvoll ohne die sonst üblichen Patzer.

Andreas Rosar nutzte diese musikalische Steilvorlage und bot in der Ausstattung von Fabian Lüdicke eine außergewöhnlich spannende Inszenierung in einem einheitlichen Bühnenbild, das mit wenigen Ergänzungen auskam. Er läßt es in einer großen Stadt mit Hochhäusern und leuchtenden Fenstern spielen - in einem Häusermeer. Im Vordergrund deuten Papierschiffchen auf das nahe Meer hin; der Holländer kommt mit einem großen Papierschiff.

Ein Podest auf der Bühnenschräge und ein beweglicher, beleuchteter Türrahmen ergänzen das Bild und bieten der Regie erklärende, detaillierte Personenführung für Solisten und Chor. Im Mittelpunkt stehen immer die handelnden Akteure.

Die gelb - orangenfarbige Kleidung der Frauen ist ein phantastischer Farbklecks. Ihre blonden Perücken sind ein Muß ihrer Männerwelt, von dem sich nur Senta lösen möchte.

Patricia Bänsch singt und spielt eindrucksvoll die Senta und steht im Mittelpunkt des Geschehens. Ihre helle Stimme glänzt vor allem sicher in ihren dramatischen Szenen.

Christian Henneberg ist im Spiel und manchmal auch in der Stimme ein zurückhaltender Holländer. Seine heller Bariton bietet eine schöne Farbe und ist so ein ruhender Gegenpol zu Senta.

Ausgesprochen stark behauptet sich Wonjong Lee als Erik im Bühnen- Geschehen. Selten habe ich diese Figur musikalisch mit so sicherem tenoralen Ausdruck und klarem Spiel gehört und gesehen. Es ist wirklich eine Wonne, diese schwierige Partie mit ihm zu erleben.

Aber auch Peter Fabig als Daland kann seinen hellen Bass mit pointiertem Spiel sicher einsetzen, sowie Yalun Zhang als dessen Steuermann, der über einen wohlklingenden lyrischen Tenor verfügt.
Johanna Brault gelingt es, mit großer Mezzo-Stimme im schwarzen Kostüm die quirligen Frauen zu bändigen.

Der Chor, geleitet von Albert Seidl, klingt sauber, wie der 'spinnende' Damenchor mit den geforderten Höhen. Die Seemannschöre auf der Bühne erklingen großartig; aus dem 'off' werden sie technisch unterstützt. Die Regie sorgt für einen optisch glänzenden Eindruck mit der Bewegungschoreographie.

Das Publikum zeigte sich zu Recht begeistert und feierte alle Beteiligten mit stürmischen Beifall. Insider glauben schon gehört zu haben, daß diese großartige Aufführung auch in die nächste Spielzeit übernommen wird. Den Theaterbesuchern wird es freuen.


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