Notice: Undefined offset: 59 in /WWWROOT/250052/htdocs/Controller/theater-bremen.php on line 28 Thomas Kümmel - Theater-Tipps - Theater Bremen

Theatertipps: Theater Bremen

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DON GIOVANNI

26.12.2019 |Selten erlebe ich Mozarts Oper so genial schlüssig erzählt mit Sängern, die musikalisch und szenisch die Intentionen der Regie umsetzen können. In der Inszenierung von Tatjana Gürbaca, im Bühnenbild von Klaus Grünberg, in den Kostümen von Silke Willrett und unter der musikalischen Leitung von Hartmut Keil gelang solch eine bravouröse Leistung in Bremen.

Die Bühne zeigt einen offenen Raum mit einer kargen Landschaft; auf dem Boden liegen verbrannte Kohlköpfe, die auch schon mal als Totenkopf herhalten dürfen. Der helle Hintergrund symbolisiert das Leben, um das sich alles dreht. Eine Grube vorn symbolisiert den Tod, in dem der Kontur verschwindet, aber auch zwischendurch wieder auftaucht und Giovanni dort vorab Kontakt aufnimmt. Zum Todesfinale für Giovanni fällt der helle Lebenshintergrund und der Tod bringende Komtur erscheint im blendenden Scheinwerferlicht.

Birger Radde als Don Giovanni ist optisch und musikalisch eine ideale Titelfigur. Seine große schlanke Gestalt wirkt auf alle seiner Umgebung attraktiv, sei es in grellen Strumpfhosen mit Stöckelschuhen, langem Mantel oder nur im weißen, offenen Hemd in Unterhosen. Nackte Haut wirkt auch bei Männern stimulierend; so verführt er nicht nur mit seiner runden wunderschönen Stimme, die er in allen Lagen wohl tönend einsetzten kann über den Bühnengraben hinaus. Die Damen Elvira, Anna oder Zerlina fühlen sich angesprochen. Sein ständiger Begleiter Leporello tut es ihm, seinem Vobild, mit nackten Beinen in Unterhose gleich. Christoph Heinrich mit leichtem Bass gelingt es, die emotionale Abhängigkeit zu Don Giovanni auch im genauen Spiel zu zeigen.

Doch bei Giovanni sieht man am Ende seines Lebenswandels eine grausame Realität, die er hinweisend auf den Tod bereits mit seinem körperlichen Zerfall bezahlt. Durch Drogen, Sex und Crime offenbaren sich an seinem vorher so ansehnlichen Körper blutende Wunden, die alles andere als attraktiv wirken. Man erschrickt, sollte man diesem Verführer verfallen sein.

Doch in der Schlußszene gehen die Beteiligten schnell wieder zur Tagesordnung über, räumen Giovannis Sachen weg und wenden sich ihrem zukünftigen Leben zu.

Die Bremer Philharmoniker folgen den meist schnellen Tempovorgaben des Dirigenten klangvoll, ohne die Sänger zu übertönen. Die Rezitative begleitet ebenfalls Hartmut Keil und schafft so zusätzlich Spannung für das Geschehen auf der Bühne.

Neben den ausgezeichneten Sängern des Giovanni und Leporello fällt Mima Millo als Donna Anna mit ihrem strahlenden, leichten Sopran auf. Hyojong Kim als Ottavio bot mit seinem schönen, sicheren Tenor eine erstklassige Leistung. Aber auch KaEun Kim als Zerlina konnte mit ihrem leichten Sopran überzeugen. Stephen Clark ist ihr Masetto und gibt stimmlich und darstellerisch dieser Rolle Profil.

Patricia Andress als Emilia zeigt sich hochschwanger in einem unglücklichen Kostüm; zum Finale war der Nachwuchs da. Ihrem wohlklingenden Sopran fehlte für diese Rolle ein wenig die Mittellage.

Das Publikum zeigte sich begeistert. Bremen ist eine Reise wert.



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