Theatertipps: Theater Am Akademischen Gymnasium Wien

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O SCHWEIGT

6.4.2018 |Das Theater am Akademischen Theater ist von sich aus schon ein Gebäude von beeindruckend historischem Baustil; der holzvertäfelte Saal dort am Wiener Beethovenplatz hat schon legendären Aufführungen einen würdigen Raum gegeben.
Georg und Martin Zlabinger bewegen sich mit ihren Produktion dort als theatralische Erben und setzen ebenso Maßstäbe, wie die Aufführungen in der historischen Vergangenheit. Theaterstücke über mythische Figuren und Themen wie 'Medea' und 'Die Orestie' wurden dort für die Bühne von den beiden in der Jetztzeit entwickelt.

Nun gab es als Uraufführung ein Stück über Orpheus und Eurydike. Georg Zlabinger entwickelte Stück und Text mit großem philosophischem Gespür. Sein Bruder Martin Zlabinger baute dafür eine Theaterbühne, deren Bühnenbild eine perfekte Spielfläche mit Lichteffekten, beweglichen Elementen und Vorhängen bot. Eine schwarze Schräge führte zum goldenen Hintergrund, der durch bewegliche Wände zum schwarzen Raum abgedeckt werden konnte. Schlitze im goldenen Spielvorhang boten dem Chor die Möglichkeit, den Kopf für ihre Kommentare kurz durchzustecken.

Diese wunderbare Raum-Vorlage nutzte Regisseur Georg Zlabinger wirkungsvoll mit seinen zwölf Schauspielern aus, um die mythologische Liebesgeschichte von Orpheus und Eurydike mit eigenen Texten über Bedeutung, Motivation und Herausforderung durch die Kunst, auf dieser Bühne zu entwickeln.
Georg Zlabinger konnte auf ein junges Schauspielensemble bauen. Sieben Schauspielerinnen begleiteten als Chor das Geschehen. Till Tuppy als Orpheus und Barbara Zenker als Eurydike verdeutlichten Liebe und Trauer gefühlvoll mit großem Engagement.
Nicht nur sprachlich war es für alle eine Herausforderung, den Text in der fast zweistündigen Aufführung zu verdeutlichen. Geschickt verstand es die Regie, daß das Geschehen nicht statuarisch wirkte. Barbara Zenker konnte mit tänzerischer Eleganz ihre Gefühle verdeutlichen; auch ein Spagat fehlte da nicht.

Zentraler Punkt der Aufführung waren die beeindruckenden Begegnungen Orpheus' mit dem Tod (Jan S. Frühwald), der Liebe (Rupert Wimmer) und der Kunst (Paul Wiborny), die in ihren weißen Anzügen während des Abends immer wieder starke Präsenz zeigten. In Gesangsanteilen konnten sie neben einer sprachlich dichten Gestaltung auch hörbar Glanzpunkte setzen.

Allein einige wenige wirkungsvolle Musikeinspielungen verdeutlichten die Zeitlosigkeit des Themas Trennung, die auch die Kostüme von Angelika Pichler unterstützten. Zu dem goldenen Vorhang und Hintergrund des dunklen Bühnenraums bewegten sich Orpheus und Eurydike in goldenen Hosenanzügen; der Chor hatte zurückhaltend moderner Kleidung, die weißen Anzüge wirkten entsprechend edel.

Die Zuschauer im voll besetzten Theatersaal verfolgte den Theaterabend mit großem Interesse. Als das Bühnenlicht auf dem goldenen Spielvorhang zum letzten Mal erlosch, löste sich die Spannung im Saal. Großer Beifall honorierte zu Recht die Leistung aller für diese mehr als sehenswerten Uraufführung.


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