Theatertipps: Staatsoper unter den Linden

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DIE SACHE MAKROPULOS

22.2.22 | Karel Capeks Roman 'Vec Makropulos' mit Janaceks glänzender dramatischer Musik zählt immer noch zu einem modernen Werk mit fiktiver Handlung, obwohl 1926 in Brünn uraufgeführt.

Im Alter von 337 Jahren kommt Elina Makropulos als Emilia Marty in die Kanzlei von Dr. Kolenaty auf der Suche nach dem Rezept ihres Vaters Hieronymus; denn die Wirkung der letzten Dosis dieses Elixiers läßt nach. Als sie das Rezept hat, verzichtet sie auf die Substanz.

Regisseur Claus Guth erzählt die Geschichte der Elina Makropulos, die von Hieronymus Makropulos im 16.Jahrhundert das lebensverlängernde Elixier bekam, mit genauer Personenführung und eindrucksvollen Bildern. Étienne Pluss schuf das Bühnenbild und Ursula Kudrna die Kostüme. Sebastian Alphons beleuchtet die Ausstattung mit stimmungsvollem Licht.

Keine Situation, kein Ort auf der Bühne ist reinem Realismus geschuldet. Ehe die Musik einsetzt hört man nur Atmen; ein weißer nebliger Raum zeigt die einsame Elina Makropulos, wie sie sich in ihrem über 300-jährigen Leben fühlt. Um in eine neue Person für ihr Dasein zu schlüpfen, nimmt sie von dort Kleidung und Perücke für ihren kahlen Kopf. Kommt sie als Emilia Marty in die reale Welt, wirkt dort auf den ersten Blick alles real; doch viele Figuren verhalten sich durch ihre Bewegungen und Handeln irreal (Choreographie Sommer Ulrickson). Der weiße Raum verschiebt sich zur Seite und macht Platz für die jeweilige Szene und wird bei einem Szenenwechsel wieder ein ruhendes Zwischenbild. Weitere Figuren, Elina als junges Mädchen und alte Frau, zeugen von Vergangenheit und Zukunft der Frau, die ihr Dasein als 'Unsterbliche' fristet und so die Realität sieht.

Simon Rattle entlockt der makellos aufspielenden Staatskapelle Berlin mit seinem feurigen Dirigat kleinste Feinheiten oder kraftvolle Ausbrüche. Die Sänger sind immer mit ihrer tschechischen Sprache zu hören und zu verstehen.

Marlies Petersen verkörpert Emilia Marty mit zurückhaltendem Spiel und ihre große Sopran-Stimme blüht bei ihrem Schlußgeständnis auf. Bo Skovhus ist ihr als Jaroslav Prus ein ebenbürtiger Partner mit präsentem Spiel und schöner Bariton-Stimme, die auch in dramatischen Momenten nicht forciert.

Peter Hoare als Anwaltgehilfe Vitek fällt im großen Ensemble mit seiner sicher geführten Tenorstimme ebenso auf wie Jan Martinik mit kräftigem Bass als Anwalt Dr.Kolenaty.

Das Publikum in der kürzlich renovierten Berliner Staatsoper bedankte sich mit kräftigem Beifall für eine Aufführung, die sich auf sehr hohem Niveau bewegte.


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