Theatertipps: Oper Köln

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LA GRANDE-DUCHESSE DE GEROLSTEIN

4.7.2019 | Das ließ sich die Oper Köln nicht entgehen, anläßlich Offenbachs 200.Geburtstag eine seiner bekanntesten 'opera bouffe' auf den Spielplan zu nehmen. 'Die Großherzogin von Gerolstein' in drei Akten effektiv zu realisieren, benötigt großen Aufwand in allen Bereichen und das wurde aller Bestens gelöst.
Genug Raum bot die Messehalle im Staatenhaus für Bühne und Saal. Die akustischen Besonderheiten wurden elegant gelöst. Das Gürzenich-Orchester Köln sitzt in einem Graben vor der breit gehaltenen Bühne. Die Tontechnik mit Mikroports tut ein übriges, um einen ausgewogenen Klang von Chor, Solisten und Orchester dem Besucher zu bieten.

Dem musikalischen Leiter Francois-Xavier Roth standen 13 exzellente Solisten und ein präzis agierender Chor zur Verfügung, um mit dem Orchester beschwingt und locker die Komposition von Offenbach zur Geltung zur bringen. Gesungen wurde in französischer Sprache und die Dialoge in der Fassung von Dietmar Jacobs waren deutsch; es gab Übertitel. Da durften natürlich regionale Hinweise zur Erheiterung des Publikums nicht fehlen, was auch unaufdringlich pointiert gelang.

Die Inszenierung von Renaud Doucet in der Ausstattung von André Barbe war phänomenal. Offenbachs Hinweise aus napoleonischer Zeit wurden nicht direkt übernommen; ein aktuelles Thema bestimmte dafür die Handlung und den Bühnenraum. In einem Camp aus Wohnwagen im Wald leben die Befürworter für 'Hambi", um die Abholzung der Natur im Forst zu verhindern. Die Soldatenuniformen waren Fellkleidung. Die Großherzogin ist Produzentin von Mineralwasser; sie und ihre Begleiter erscheinen dort in elegant farbiger Kleidung; Prinz Paul als einer der Heiratskandidaten ist mit einem Brotlaib ausstaffiert.

Im Haus der Großherzogin bestimmt das Firmensymbol in Form eines großen goldenen Frosches den Raum. Das grün der Natur kommt im Bühnenraum nicht zu kurz.

Ergänzt werden die Sänger von 10 Tänzer|innen, die nicht nur für die optische Auflockerung der Szene perfekt sorgen, sondern auch in vielen Rollen die zu erzählende Geschichte erläuterten. Höhepunkt für das Ballett ist die Balletteinlage als Pferde im dritten Akt, was die Zuschauer mit großem Jubel honorieren.

So gelang es der Regie, das in der Mitte des turbulenten Geschehens immer Bewegung zur Musik war. Die Solisten wurden präzise und mit starken choreographischen Elementen geführt, was zu einem großen optischen Gesamteindruck verknüpft wurde. Aber auch ruhig gehaltene Szenen sorgten für eine effektive Ausgewogenheit.

Die großartige Jennifer Larmore konnte für die Titelpartie in Köln gewonnen werden. Ihr wunderschöner, leichter Mezzosopran ist für die Großherzogin ein Genuß. Ihr zur Seite als Fritz ist der junge Dino Lüthy, der aus dem Kölner Opernstudio nun zum Ensemble des Hauses gehört. Sein leicht geführter Tenor besticht nicht nur durch eine sichere Höhe; seine starke Mittellage konnte eine weitere, notwendige Voraussetzung für die Offenbach-Partie klangvoll bieten.

Emily Hindrichs löste elegant die undankbare Aufgabe von Fritz' Freundin Wanda mit schön klingendem Sopran und flottem Spiel. Miljenko Turk als Baron Puck und Vincent Le Texier als General Boum boten mit ihren Rollen als Begleiter der Großherzogin auch musikalisch eine weiteren Glanzpunkt im Ensemblespiel.

Die Inszenierung bot mit überbordenden Einfällen einen großen Offenbach-Abend, der von allen Beteiligten musikalisch und szenisch zur Freude des Publikums im vollem Theatersaal mit starkem Beifall honoriert wurde. Die Balance zwischen Dialogen und Musik wirkte auch Dank der Sänger immer ausgewogen; die Zuschauer wurden immer ausgezeichnet unterhalten.

Man hatte nie das Gefühl, daß das Stück zu Gunsten der Aufführungszeit gekürzt wurde, was ein weiterer Pluspunkt dieser Produktion ist. Zwei Pausen ermöglichten es, diese 3-stündige Aufführung mit schwungvoller Musik zu genießen.


DIE GEZEICHNETEN

14.7.2017 | Franz Schrekers Werk erlebt momentan eine große Renaissance. Aus gutem Grund, hat das Werk mit seiner Musik und seinem Text so eine enorm spannende Dichte, daß man sich wundert, daß dieses musiktheatralische Werk nicht schon längst festen Bestandteil in den internationalen Spielplänen gefunden hat. Außer historischen Hintergründen sind es wohl vor allem interpretatorische und besetzungstechnische, die eine Theaterleitung vor der Realisierung dieses Mammutwerkes zurückschrecken lassen.
Aber nicht so in Köln am Rhein. Bereits 2 Jahre nach der Uraufführung wurde das Werk 1920 dort erstaufgeführt. Die aktuelle Notlage durch den Umbau des Opernhauses brachte die Theaterleitung 2013 auf die Idee, daß dieses Werk nicht nur auf einer traditionelle Opernbühne, sondern auch auf einer Behelfsspielstätte wie das Palladium in Köln-Mülheim gegenüber dem E-Werk zu spielen sei. Und so war es dann auch.
Eine Wiederaufnahme gab es nun im Staatenhaus in Köln-Deutz, mit dem Charme eines riesigen Messe-Komplexes, wo man vor dem Reinkommen bereits mit einigen Stühlen im Freien vor der Tür empfangen wurde, falls mal jemand zu früh kommt.
Im Innern an jeder Ecke, konnte man den Kompromiss für eine Spielstätte sehen. In einer riesigen Halle, erreichbar durch eine Rolltreppe, gab es für ein überschaubares Auditorium eine Einführung in das Werk. Kam man die Rolltreppe wieder abwärts runter, war ein großer schwarzer Vorhang beiseite gezogen und man kam an einer hoch aufgebauten Tribüne in den riesigen Aufführungsraum der Oper. Die Bühne war auf ebener Erde vor den ersten Zuschauerreihen, die langsam anstiegen; es gab auch eine Empore. Im Hintergrund auf unermeßlich großem Raum saß etwas erhöht das Orchester. Darüber und in den Seiten Gestänge für Licht, Technik und schwarze Vorhänge für den backstage-Bereich; eine akustische Ausstattung sieht anders aus. Mit den Zuschauern durften alle Mitwirkende den gleichen Weg zu ihrem Ziel nehmen.

Regisseur Patrick Kinmonth baute für seine Inszenierung einen Auto-Schrottplatz, der wunderbar zu diesem alternativen Aufführungsort passt; den Wechsel von dieser Realität zur Traumwelt wird nur durch andere Kostüme gezeigt. Hier spielt die Geschichte von Alviano, der gleich zu Beginn während des Vorspiels Carlotta tötet und der danach die ganze Geschichte noch einmal erlebt. Dieser Traum ist eine Mischung der Zeiten von einer paradiesischen Traumlandschaft und dem tristen Dasein. Dem Traum eines körperlich unattraktiven Mannes von der Zuneigung zu einer Künstlerin, der die Männer zu Füßen liegen.

Und von den Männern gibt es in Schreckers Werk viele, die die Geschichte mit erzählen auch noch gut singen müssen. Da fehlt es auf Grund der zahlreichen Mitwirkenden im ersten Akt schon mal an einer überschaubaren Kontur. Das spielt aber, je länger das Werk dauert, dann keine Rolle mehr. Es geht nur um die Beziehung zueinander, nicht so sehr um den Faden der phantasievollen Handlung zu folgen. Das Geschehen zueinander wird immer intensiver, dichter, spannender.

Gesungen und gespielt wurde in Köln von allen auf allerhöchstem Niveau. Mit dem Knaben vom Kölner Domchor sind es 21 Solisten.
Marco Jentzsch, den ich in Dortmund noch als Lohengrin im 1.Akt erleben durfte, ist Alviano; seiner heldisch heller Tenor klingt phänomenal. Oliver Zwarg ist mit seinem Heldenbass ein beeindruckender Adorno, ebenso Bjarni Thor Kristinsson als Nardi. Bo Skovhus als Vitelozzo ist einfach mit seinem lyrischen Bariton unschlagbar, als Sänger und als Darsteller.
Anna Gabler ist die Künstlerin, um die sich die Männer balgen. Sie gestaltet diese mit klarem vollen Sopran und spielt mit einer Natürlichkeit, die beeindruckt.

Stefan Soltesz dirigiert stehend das Gürzenich-Orchester-Köln engagiert und läßt die Klangräume aufblühen. Da fragt man sich, warum hört man diese wunderschöne Musik bisher so selten auf deutschen Bühnen. Aber keine Sorge, nächste Spielzeit gibt es "Die Gezeichneten" in einer Neuinszenierung in der Komischen Oper Berlin; Stefan Soltesz dirigiert.


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