Theatertipps Oldenburgisches-Staatstheater

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DAS RHEINGOLD

09.09.2022 | Der Hausherr freute sich, die Gäste zur 2. zyklischen Aufführung des "Ring des Nibelungen" begrüßen zu können. Anlaß der Ansage war eine nicht hörbare Indisposition der Darstellerin der 'Fricka'. Für jedes Haus ist die zyklische Aufführung eine enorme Aufgabe und daher ist die Leistung auf der Bühne und im Orchestergraben nicht hoch genug zu würdigen.

Im Programmheft gab es genug Hinweise, warum Regisseur Paul Esterhazy mit seinem Ausstatter Mathis Neidhardt die Geschichte auf den Höhen der Schweizer Bergwelt spielen läßt. Allein dem Betrachter der Aufführung erschloss sich dies nicht immer. Auf der Drehbühne mit großen und kleinen unterschiedlich ausgestatteten Räumen mit Holzwänden fand das Geschehen in einer Berghütte statt.

Zum Vorspiel blendete noch kurz eine Lichtleiste den Zuschauer. Die Drehbühne war zu Beginn durch eine Holzwand verdeckt. Leichte Wasserprojektionen deuteten den Rhein an, der ja -wenn überhaupt- in dieser Inszenierung tief im Tal floß. Ein rotes Herz dominierte das Bild, ehe die Holzwand heller ausgeleuchtet war und die Tür mit dem Herzen sich öffnete.

Siehe da, ein Toilettenhäuschen, in dem Alberich onanierend saß und Bilder ihm bei seinem Tun stimulierten. Mit Toilettenpapier wurde der Erfolg dieses Vergnügens weggewischt; nachdem er seine Hose hochzog, hingen noch einige Blätter bei ihm herunter. Die Bühne dreht und Alberich kommt zu den Rheintöchtern, die sich als Waschfrauen verdingen. Die Bühne dreht sich oft und man sieht z.B. Wotan mit Fricka im Ehebett liegen, ehe das Gold aus der Toilettenschüssel von Alberich geraubt wird.

So ist die Inszenierung voll von Bildern, die einer eigenen Interpretation folgen, wenig aber von Richard Wagners Anweisungen zur Geschichte beinhalten. So ist nahezu in jedem Bild Erda mit einem Schwert zu sehen, das später Wotan erhält. Nur bei Wagner ist dieses Schwert ein Teil des Nibelungenschatzes (was natürlich nicht ganz logisch ist), welches Wotan beim entsprechenden Schwertmotiv hochhebt. Fricka strickt einen Schal in Regenbogenfarben, was dann ein Höhepunkt beim Einzug in Walhall sein soll. So häufen sich viele ausgearbeitete Details, ohne aber genauer erläutert zu werden.

Das Oldenburgische Staatstheater unter der Leitung von Hendrik Vestmann spielte klar und sauber und lies manches aus der Partitur wunderschön erklingen. Einige Unstimmigkeiten im Graben und mit der Bühne schmälerten kaum den Hörgenuß.

Nach der Premiere anno 2017 gab es bei dieser zyklischen Aufführung einige Neubesetzungen, die aber von dem Spielleiter Felix Schrödinger genau eingearbeitet wurden. Die meisten Rollen waren neu besetzt.

Leonard Lee als Wotan glänzte mit seinem manchmal zu kräftigen Bass-Bariton. Kihun Yoon ist ein betörender Alberich in Stimme und Spiel. Shin Yeo setzte seinen lyrischen Bariton als Donner bestens ein. Da hatte es der hauseigene Kammersänger Matthias Wohlbrecht als Loge schon schwerer, seinen Charaktertenor wohlklingend einzusetzen. Sami Luttinen als Fasolt erfreute mit strahlendem, hellen Bass.

Die Rheintöchter fielen durch schöne Stimmen auf, besonders der tiefe Mezzo bei Maiju Vaahtoluoto als Floßhilde. Melanie Lang als Fricka hörte man ihre Erkältung nicht an. Edna Prochnik stellte mit ihrer satten Altstimme als Erda einen Höhepunkt dar.

Das Publikum zeigte sich begeistert. Ich verzichtete auf den Besuch der weiteren Ring-Tage.


SIEGFRIED

29.9.2018 |"Endlich der Ring in Oldenburg" war im Theatermagazin zu lesen und so waren auch alle Aufführungen des 2.Tages der Ring-Tetralogie in Oldenburg schnell ausverkauft; nur Steh- und damit Hörplätze waren noch zu ergattern. Nur zu hören, war aber keine schlechte Idee. Die beiden Wagner-Werke zuvor waren in der Inszenierung von Paul Esterhazy und unter der musikalischen Leitung von Hendrik Vestmann schon im schönen Oldenburger Opernhaus zu erleben. So konnte man erahnen, was an szenisch-optischer Erzählweise und musikalischer Brillanz bei dieser Inszenierung zu erwarten war.

Der Theatersaal bot einen klaren Orchesterklang, der viele Facetten der Partitur klangschön offenlegt. Der Graben wurde nach vorne durch Verzicht auf Stuhlreihen vergrößert und bot so Platz für ein großes Wagner-Orchester. Die Harfen waren auf der Seitenloge. Nur wenige Patzer im Verlauf des Abends unterliefen dem Oldenburgischen Staatsorchester; die Bläser klangen nahezu makellos, was auch woanders nicht immer der Fall ist. Seltsam aber, daß an wenigen Stellen die Sängerstimmen wie 'verstärkt' klangen, es aber nicht waren; da gab es wohl doch akustisch tückische Positionen durch Bühnenbild oder Saalplatz.

Hendrik Vestmann gelang es, die Wagner-Partitur mit seinen drängenden, aber auch 'breiten' Tempi klangvoll zur Geltung zu bringen. Auffallend waren einige besonders schön herausgearbeitete Passagen, die man sonst so nicht zu hören bekam und somit den Hörgenuß erhöhten, ergänzt durch eine sehr gute Textverständlichkeit der Sänger.

Paul Esterhazy lies sich von seinem Ausstatter Mathis Neidhardt die Hütte eines Schweizer Bergbauerndorfs auf der Drehbühne bauen. Mit viel Nebel und einigen Bildprojektionen wurde das optische ergänzt. Es wurde viel gedreht, Seitenwände herein- und wieder herausgeschoben, Türen bespielt und bewegt und so konnte auf vielen realistisch gehaltenen Orten vor und in der Hütte gespielt werden. War eine Trennwand weg, bot sich auch eine beeindruckende Tiefe des Bühnenraums; großräumig atmenden Räume gab es aber nicht. Es wurde richtig geschmiedet, ein wunderschöner Lindenbaum beherrschte oft die Szene, dessen Blätter in großen Mengen herab fielen; Brünnhilde schlief auf einem großen Kamin in der Wohnstube.

In dieser Bergwelt die germanische Göttergeschichte zu erzählen hieß für das Regie-Team auch, auf große interpretatorische Ideen vom Anfang und Ende zu verzichten, waren die Handelnden Besucher und Bewohner in einer alpenländischen Welt, abseits vom Weltgeschehen, was einzig für Sieglindes Fluchtort spricht.

Die Personenführung fand nur bedingt statt, hatten doch die handelnden Sänger genug zu tun mit der sich ständig bewegenden Drehbühne. Besonders Mime der Schmied hatte es schwer, war er doch tatsächlich als Zwerg gestaltet. Der Sänger durfte auf seinen Knien laufen; ergänzt wurde sein Spiel von einem 'Double', der mit seinen Beinen sich flotter bewegen konnte. Das war ganz nett zu verfolgen. Dunkle Ausleuchtung und Nebel versteckten die Tricks von Regie und Maske. Dem Bruder Alberich wurde diese Tortur erspart.

Der Riese Fafner wirkte Dank Stelzen tatsächlich riesig; als Drache wurde er nicht gezeigt. Er saß auf Säcken, die seine Höhle schützten - oder es war schon der Hort. Der Tarnhelm war ein Stahlhelm und der Ring hing noch an Alberichs Hand, die vorher samt Unterarm abgetrennt wurde.

Die drei Nornen in der Erda-Szene erinnerten eher an die Spinnstube beim Holländer und lenkten von dem Gespräch zwischen Wotan und Erda ab; da freute man sich, wenn die Spinnenden weggedreht wurden.

Gab die Regie den Handelnden Ruhe von der Drehbühne, so lief der eine Sänger schon mal nach rechts, während der Partner unmotiviert dafür nach links wechselte und wieder zurück. Es wurde aber auch spannendes Spiel miteinander erarbeitet.

Da hat es sich die Regie oft zu leicht und gleichzeitig schwer gemacht. Während die Technik immer Höchstleistung mit dem Ortswechsel durch die Drehbühne vollbringen mußte, durften die Sänger von Raum zu Raum laufen oder humpeln, um so Bewegung in das Geschehen zu bringen. Woanders wird das durch spannendes Zusammenspiel gelöst.

Gesungen und gespielt wurde von allen Sängern exzellent. Allen voran gab Zoltán Nyári als Siegfried ein mehr als herausragendes Rollendebüt. Er setzte seine große kräftige Stimme immer sicher ein und gestaltete auch die lyrischen Momente schön, z.B. beim Waldweben. Daß er auch der stimmlich ausgeruhten Brünnhilde im dritten Akt musikalisch 'gewachsen' war, spricht für die Qualität dieses Heldentenors. Dazu kommt die große, herausragende schlanke Statur des Sängers, der auch bei der Rollenzeichnung seine schauspielerischen Qualitäten beweisen konnte.

Dagegen hatte es Timothy Oliver als Mime zwei Akte lang neben seinem Ziehsohn vor allem optisch schwer. Er setzte seinen wohlklingenden lyrischen Tenor immer sicher ein; für einige dramatischen Stellen fehlte seiner Stimme etwas die Kraft. Kihun Yoon als dessen Zwergenbruder Alberich dominiert mit bestechender Baritonstimme die Szene; die Szene mit dem Wanderer habe ich lange nicht so gut gehört. Seine Rollengestaltung beeindruckte ebenfalls.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Wanderer von Thomas Hall. Er setzt seine große Stimme in allen Lagen mit wohlklingendem Timbre ein. Die notwendige Tiefe und strahlende Höhe gaben mit einer Textverständlichkeit seiner großen Rolle profundes Profil.
So geriet die Erda-Szene mit Marta Swiderska zu einem musikalischen Genuß. Die Sängerin verfügt über eine wohlklingende satte Altstimme, die auch in den Höhen strahlen konnte und so eine optimale Partnerin für Thomas Hall war.

Die Rolle des Waldvogels beschränkte sich nicht nur auf die akustischen Beiträge. Sooyeon Lee durfte mit einem Vogelkäfig immer präsent sein, war von dem Vogel die Rede. Gesungen wurde von ihr textverständlich, sicher und klar mit schönem Sopran; das erfreute den Zuhörer.
Ill-Hoon Choung als Riese Fafner gab seiner Rolle mit warmen Bass Profil. Sein Todeskampf mit Siegfried geriet aber Dank der Regie ein wenig spannungsarm.

Aber da gab es ja noch eine Brünnhilde, die im alpenländischen Erl bereits Erfahrungen für die norddeutsche, alpenländische Inszenierung sammeln konnte. Nancy Weißbach bot durch Stimme und Spiel eine ideale Brünnhilde. Sie setzte ihren großen Sopran in der Mittellage wohlklingend ein, die hohen Spitzentöne waren für sie kein Problem. Durch ihre schlanke Gestalt war sie die ideale Partnerin für den jungen Held Siegfried. Was will man da mehr?

Das Publikum in Oldenburg in Oldenburg bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall für eine vor allem musikalisch hochwertigen Aufführung. Die Götterdämmerung wird in der nächsten Spielzeit folgen.


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