Theatertipps: müpa Budapest

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DER RING DES NIBELUNGEN

15.-18.6.2017 | In der nationalen Béla Bartók Konzert Halle gab es zum letzten Mal eine Aufführung der aktuellen Produktion von Wagners Ring. Zu dem glänzenden Rahmen dieses wunderbaren Neubaus gab es auch herausragende musikalische Momente.

Zu meiner Überraschung -ich hatte das wohl nicht richtig lesen können- war das nicht nur ein szenisches Konzert, sondern eine leider ernst gemeinte szenische Aufführung. Das Orchester saß im Graben. Auf der Saal-Bühne war ein Art Giebel gebautes Podest, darauf eine reflektierende Hintergrund-Wand, worauf von hinten Licht-Farbstrukturen, Filmeinspielungen, Schattenspiele u.v.m. manchmal sehr effektiv eingespielt wurden. Standen direkt die Sänger vor dieser Wand, waren sie sehr schlecht ausgeleuchtet und standen im Halbdunkel.
Von diesem Giebel führte eine breite Treppe nach vorn zu einer Spielfläche, auf der die Sänger meist besser ausgeleuchtet agierten. Links und rechts davon standen je nach Bedarf Stühle, auf die sich die Sänger setzten, wenn sie nicht so viel zu tun hatten oder auf ihren Auftritt warteten.
Die Sänger spielten in Abendgarderobe, die Herren im schwarzem Frack, einige Ausnahmen mit schwarzem Hemd und Hose. Die Damen zeigten sich so vorteilhaft wie es ging in Abendkleidern.
Auf dem Podest spielten die Sänger die jeweilige Situation je nach Talent und Können. Intensive Personenführung gab es wohl vorher nicht.

Als optische Ergänzung wurden Tänzer|Pantomimen eingesetzt, um auch dem Auge zur Musik etwas mehr zu bieten. Gut - für die Walküren wurde eine akzeptable Lösung mit Pferdeköpfen gefunden. Je länger das aber alles dauerte, umso mehr wollte ich dem Bewegungstanz eigentlich nicht so gerne folgen. Da fehlte zu oft eine zwingende Notwendigkeit; das haben die Macher wohl auch gemerkt. In der Götterdämmerung tauchten die Tänzer nur noch mit Alberich auf. Dafür wurde jetzt mehr mit Requisiten gearbeitet, z.B. die Chormasken. Die Projektionen auf der Wand waren teilweise genial; die filmisch optische Bearbeitung hat da immer für einen Genuß gereicht.

So nebenbei: Da hat wohl jemand zur Vorbereitung des neuen Ring in Leipzig von dieser Aufführung in Budapest gehört, die seit 2006 an der Donau entstand. Da gibt es in Leipzig zu viele Ähnlichkeiten bei dem Einsatz von Tänzern | Pantomimen; das kann kein Zufall sein. Das in Leipzig ist ein penetranter Abklatsch und -kupfern von der Produktion in Budapest.

Die tolle Akustik im Konzertsaal kam auch den Sängern zu Gute. So klar und direkt habe ich die Stimmen noch nicht gehört. Von den großem Ensemble sind herausragend an erster Stelle Peter Kálmán als Alberich zu nennen. Eine große, schneidende und schöne Stimme, immer korrekt in allen Lagen. Dazu sein enormes Spieltalent und seine Bühnenpräsenz. Aber auch Gerhard Siegel als Mime konnte mit ähnlichen Qualitäten punkten. Bei beiden sah und hörte man absolut gerne zu.

Aber auch die Kolleginnen verwöhnten das Publikum. Anja Kampe als Sieglinde oder die wunderbare Iréne Theorin in allen drei Brünnhilde-Partien waren eine Wonne. Wo singt noch die gleiche Künstlerin hintereinander an drei folgenden Tagen diese Partie in dieser phantastischen Weise?

Neben dem Alberich konnten nationalen Künstler sich ebenfalls in dieser Ring-Produktion profilieren. Pasztircsák Polina war die 3.Norn und Gutrune. Ein fehlender Satz im 2.Akt konnte ihren positiven Gesamteindruck nicht schmälern; sie besitzt eine klare strahlende, auch kräftige Sopranstimme und sie gestaltet auch szenisch ihre Rolle attraktiv. Bretz Gábor fällt als Fasolt mit seiner großen, in allen Lagen schönen Bass-Stimme auf; da freut man sich schon jetzt auf ein wiederhören.
Sebastian Pilgrim fiel als Hunding ebenfalls mit seiner sicheren, immer eindrucksvollen großen Bass-Stimme auf. James Rutherford war der Wotan mit seiner ausdrucksstarken Bass-Stimme in den ersten beiden Abenden, Albert Dohmen gab ebenfalls eindrucksvoll den Wanderer. Christian Franz war der junge Siegfried, immer sicher und klangschön. Der junge Daniel Brenna glänzte vor allem mit seiner leicht geführten hellen Tenorstimme; bei ihm viel auch sein Spieltalent auf. Christopher Ventris war ein herausragender Siegmund und konnte sich schon mal für seinen Einsatz in Bayreuth bestens vorbereiten.

Adam Fischer dirigierte das Ungarische Radio Sinfonie Orchester mit dem Hang zu großen, breiten Tempi. Ihm gelang es dadurch betörend, die dramatischen Strukturen hörbar zu machen. Nur selten - vielleicht auf Wunsch mancher Sänger- zog er das Tempo an. Die Akustik des Konzertsaals sorgte für einen musikalischen Hochgenuß.

Nächstes Jahr gibt es an der Donau anderer Wagner-Werke zu erleben. Für 2019 ist nach gut informierten Kreisen ein neues Ring-Projekt geplant. Einen möglichen Regisseur dafür, international angesehen und aktiv, habe ich schon in der Walküren-Pause gesichtet. Das wäre was!


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