Theatertipps: Deutsche Oper Am Rhein

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DAS RHEINGOLD

6-17|An der Deutschen Oper am Rhein durfte ich noch Astrid Varnay als Brünnhilde oder Hans Hopf als Siegfried erleben. Danach gab es den Horres-Ring als Koproduktion mit der Oper Köln; Gabriele Schnaut und Wolfgang Schmidt waren dabei, um nur einige Erinnerungen aufzufrischen. Aber das ging ja gar nicht, daß beide Rhein-Opernhäuser den gleichen Ring hatten. Köln hat ihn schnell durch eine neue Inszenierung ersetzt; Düsseldorf-Duisburg hat diese Produktion noch lange gehalten; leider durften allzu viele Spielleiter sich an der Inszenierung von Kurt Horres versuchen.

Dietrich Hilsdorf entwickelt nun eine Neuproduktion am Rhein für die Häuser Düsseldorf und Duisburg. In Zusammenarbeit mit seinem Bühnenbildner Dieter Richter entstand ein so genauer, lustiger, phantasievoller und spannender Vorabend zu Wagners Trilogie, daß man voller Vorfreude gespannt sein darf auf die weiteren Werke.

Die Düsseldorfer Symphoniker wurden von Axel Kober umsichtig, packend, immer auch mit musiktheatralischem Blick für die Bühne geleitet. Die üblichen Patzer fehlten so gut wie, die für mich noch neue Akustik im umgebauten ehrwürdigen Saal ermöglichte ein musikalischen Genuß, zu dem natürlich die Sänger|innen ihren Anteil hatten, denn sie wurden vom Orchesterklang kaum übertönt.

Allen voran sind Simon Neal als Wotan und Michael Kraus als Alberich zu loben. Selten habe zwei so gute Sänger-Darsteller erlebt, die den Intentionen des Regisseurs folgten, sie auch mit musikalischem Leben erfüllten. Norbert Ernst, ein international und Bayreuth erfahrener Loge, konnte auch in Düsseldorf sich in diese Reihe einordnen. Bereits vor dem es-Dur-Vorspiel des ersten Bildes zitierte er Heinrich Heine mit "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten..." und betont das es mehrfach. Ein Schelm, der sich etwas dabei denkt.

Aber auch die anderen Kollegen beeindrucken. So Cornel Frey als Nibelungenbruder Mime oder mit eindrucksvoller Stimme Bogdan Talos als Riese Fafner. Die Rheintöchter glänzten mit Anke Krabbe (Woglinde), Maria Kataeva (Wellgunde) und Ramona Zaharia (Flosshilde). Warum aber Susan McLean als Erda besetzt wurde, bleibt ein Geheimnis des Düsseldorfer Hauses; da hätte die Flosshilde doch besser eine Doppelrolle bekommen sollen. Zur Überraschung wird Susan McLean als 3.Norn angekündigt.

Dieter Richter baut zur Handlung ein zweites Bühnenportal mit Glühlampen und rotem Vorhang, das für jedes Varieté-Bühne gut stünde; dort entwickelt sich dann auch der Regenbogen. In dem dahinter befindlichen Raum stehen runde Spieltische unterschiedlicher Größe, an denen auch um die Welt gespielt wird. Eine Feuertreppe führt links nach oben, auf der die Rheintöchter ihr Spiel mit Alberich treiben. Ein Fenster im Hintergrund bietet eine besondere Tiefe des Raumes. Dort wird oft die davor spielende Szene als Film parallel gezeigt.
In Nibelheim durchbrechen schwere Transportloren mit dem gewonnen Rheingold die Wände. Herrlich, wenn aus diesen Loren das Gold vor Freia einfach ausgekippt wird, um die kniende Göttin von den Riesen auszulösen. Als das immer noch nicht langt, drückt Wotan seine Tochter nach unten, damit man sie nicht mehr sieht.
Grundsätzlich sind alle als problematisch zu sehenden szenisch-technischen Probleme Dank des Einheits-Raumes sehr gut gelöst. Hinter den fahrenden Loren geschieht Alberichs Verwandlung zum Drachen und zur Kröte. Der Drache guckt nur mal kurz durch die Decke von oben auf das Geschehen. Hinter einem Spieltisch verliert Alberich seinen Ringfinger.

Hilsdorf Regie ist sehr genau und die Sänger lassen sich von seiner Personenführung zu Höchstleistung inspirieren; die Charakterzeichnung der einzelnen Personen und die Umsetzung ist schon überwältigend. Es wird detailliert die Geschichte vom Rheingold, Raub und Fluch und den damit verknüpften Personen erzählt ohne aktualisierende Hinweise. Selten habe ich mich bei einem Rheingold so amüsiert wie jetzt in Düsseldorf; allein Frank Castorfs Deutung hat für mich gleichen Unterhaltungswert.

Ein wahnsinnig guter Einstand zum neuen Ring am Rhein. Da darf man sich auf die Fortsetzung schon jetzt freuen.


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